Museumsstück

Autor: Paul Dukarich


In Österreich gibt es gut 70 „Oldtimermuseen“, die zahlreiche Preziosen präsentieren. In loser Reihenfolge und ohne Anspruch auf Vollständigkeit wollen wir Euch „Schätze aus heimischen Museen“ präsentieren.

Unser erster Gast: Opel Olympia Rekord, 1955 aus dem „Familie Fehrs Oldtimer Museum“ in Wiener Neustadt www.fehrsclassiccars.at

Opel Olympia Rekord Erfolgsgeschichte Opel

Opel ist eine Erfolgsgeschichte, die 1862 mit der Gründung einer Nähmaschinenmanufaktur durch Adam Opel (1837–1885) begonnen hatte und – abgesehen von einigen Rückschlägen in den letzten 30 Jahren – bis heute andauert.

Bemerkenswert dabei ist der Umstand, dass der Firmengründer und seine Nachfolger die Nachfrage zuerst nach Nähmaschinen, dann nach Fahrrädern und schließlich nach preiswerten und daher massentauglichen Automobilen richtig eingeschätzt hatten. So stellte das Unternehmen bis 1911 eine Million Nähmaschinen her. Opel war bereits Anfang der 1920er der größte Fahrradhersteller und schließlich im Jahr 1928 mit 42.771 Automobilen und einem Marktanteil von 27,5 Prozent Deutschlands größter Automobilhersteller.

Mit dem von 1924–1931 produzierten Opel „Laubfrosch“ hatte Opel mit einer Gesamtzahl von 119.484 Fahrzeugen auch den ersten „Volkswagen“ in Europa produziert. Als erstes Fahrzeug in Deutschland wurde der Laubfrosch am Fließband montiert, wodurch die Produktion gegenüber der Konkurrenz entscheidend rationalisiert werden konnte.

 

Die Weltwirtschaftskrise 1929 führte dazu, dass die Familie Opel alle Anteile an ihrer Adam Opel AG letztlich im Jahre 1931 an General Motors verkauften. General Motors war dann mehr als 80 Jahre lang der Mutterkonzern, der jedoch seiner deutschen Tochter eine weitestgehend eigenständige Modellpolitik erlaubte. Erst im Jahre 2017 wurde Opel vom französischen PSA-Konzern übernommen. Damit schließt sich ein Kreis, der bereits Anfang des 20. Jahrhunderts mit einer Kooperation mit dem damals führenden französischen Hersteller Darracq begonnen hatte, die den Opel-Darracq, der bis 1907 gebaut wurde, hervorbrachte.

Die 1950er-Jahre – Opel Olympia Rekord als Symbol des „Wirtschaftswunders“ Nach dem Zweiten Weltkrieg bis Anfang der 1950er-Jahre produzierte Opel mit dem „Olympia“ noch ein Fahrzeug, das bereits 1935 erschienen ist und dessen Name auf die im folgenden Jahr 1936 in Deutschland stattgefundene Olympiade zurückzuführen war.

Der 1953 erschienene und bis 1957 gebaute Olympia Rekord war die erste Neuentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg und stellte zweifellos mit seiner hochmodischen – vom amerikanischen Markt geprägten – Pontonform einen stilistischen Paukenschlag dar. Jährliche Retuschen an der Frontpartie – der Begriff Facelift war damals noch nicht gebräuchlich – entsprachen damals ebenfalls den amerikanischen Marktgebräuchen.

Auch die folgenden Rekord-Modelle, insbesondere der 1958 präsentierte P1 („P“ stand für Panoramascheiben an Front und Heck) waren dem Zeitgeist entsprechend stilistisch höchst gelungen und verkauften sich wie die warmen Semmeln. In der Zulassungsstatistik befanden sich die Rekord-Modelle über viele Jahre auf Platz zwei hinter dem preislich viel günstigeren VW Käfer.

Im Gegensatz zur Optik der Opel Rekord-Modelle ist der technische Fortschritt eher konservativ und behutsam vorangeschritten. Bemerkenswert ist der bereits 1937 im Olympia eingeführte Motor, der bis in das Jahr 1965 die Basis für alle Rekord-Motoren bildete. Es war ein vierzylindriger 1,5-Liter-Kurzhub-Motor mit hängenden Ventilen, die über eine unten im Block angeordnete stirnradgetriebene Nockenwelle gesteuert wurden. Auch die Leistungsdaten dieses Motors entwickelten sich im Laufe seiner Bauzeit nur sehr behutsam weiter: Von 40 PS bei moderaten 3.800 U/min im Jahre 1953 bis zu 67 PS bei ebenfalls moderaten 4.400 U/min in seiner letzten Ausbaustufe im Jahre 1963 mit 1680 ccm. Dementsprechend ist auch die Höchstgeschwindigkeit der Rekord-Modelle in diesen Jahren nur langsam angestiegen: Von 120 km/h im Olympia Rekord 1953 auf 144 km/h im Opel Rekord A Coupé (1700 S) im Jahre 1963. Angesichts der heutigen Leistungsexplosionen bei den Motoren könnte man fast sagen: glückliche, langsame Zeit.

Auch die übrige Technik des Opel Rekord kann als eher konventionell bezeichnet werden. Eine selbsttragende Karosserie besaß bereits der Olympia 1935. Eine hintere Starrachse mit halbelliptischen Blattfedern und einer insgesamt komfortbetonten Abstimmung prägten das sichere Fahrverhalten des Olympia Rekords. Es wurde bei den folgenden Rekord-Modellen – der Name Olympia war mittlerweile entfallen – vor allem durch die Tieferlegung des Schwerpunktes, eine erheblich verbreiterte Spur sowie einen längeren Radstand laufend verbessert.

Zu Recht sprach die zeitgenössische Werbung von „Opel dem Zuverlässigen“. Diesen Ruf hatten die Rekord-Modelle vor allem den sehr haltbaren und wartungsfreundlichen Motoren zu verdanken.

Nach über drei Jahrzehnten endet die Erfolgsgeschichte „Opel Rekord“ mit der Präsentation des Opel Omega im August 1986.

Zum ausgestellten Opel Olympia Rekord, Baujahr 1955
 

Das Baujahr 1955 unterscheidet sich nur geringfügig, vor allem im Bereich der Frontpartie mit einer neuen Querstrebe, vom ersten Nachkriegsmodell des Jahres 1953. Auch bei der Motorleistung beließ man es bei den moderaten 40 PS. Ein Modell dieses Baujahres diente seinerzeit auch der Familie Fehr sehr verlässlich als Alltagsauto.

Nach langem Stillstand bewegte sich auch das Museumsauto selbstverständlich aus eigener Kraft zu seinem Fototermin, um Modell für die meisten der hier abgebildeten Bilder zu stehen. Es braucht nicht extra erwähnt zu werden, dass der Motor sofort „da war“; für kurze Zeit entwichen dem Auspuff noch einige Rußwolken und dann folgte der beruhigende opeltypische Rundlauf.
Die Zeitschrift „hobby – das Magazin der Technik“ unterzog ein Modell 1956 mit 45 PS einem ausführlichen Test. Gelobt wurde dabei die Laufruhe, die Ausgeglichenheit und die Elastizität des Motors.

Als durchschnittlicher Verbrauch wurden 9,8 l/100 km ermittelt, wobei angemerkt wird, dass „der Wagen nicht übermäßig schonend gefahren wurde“.

Der Testbericht betont weiters die äußerst weiche Federung, die einfache Bedienung der „bequem angeordneten“ Pedale und Bedienungsknöpfe sowie die für einen Wagen der Mittelklasse „nahezu luxuriöse“ Innenausstattung. Kritisiert wird der mit einem Fassungsvermögen von 35 Litern „viel zu klein dimensionierte Treibstofftank“. Das gilt umso mehr für das Modell des Baujahres 1955, das sich noch mit 31 Liter Tankvolumen begnügen musste.

Mit einer Länge von 4,21 m und einer Breite von 1,62 m war der Opel Olympia Rekord von den Abmessungen her ein typisches Auto der Mittelklasse der 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. In Gegenüberstellung zu modernen Kompaktwagen wirkt er geradezu zierlich.

Auch der Autor, selbst Jahrgang 1954, durfte in seiner Kindheit auf den Rücksitzen eines Olympia Rekords Baujahr 1957 als Passagier gute Erfahrungen mit diesem Fahrzeug sammeln. Dies umso mehr, als dieser Opel bis zum Jahre 1968 stets treu seinen Dienst versah, ganz im Einklang mit seinem Motto: „Opel der Zuverlässige“.