Ford-Jubiläum: 90 Jahre „Made in Cologne“

Autor: Redaktion


Beginn einer Kölner Erfolgsgeschichte: Vor 90 Jahren legen Henry Ford und Konrad Adenauer den Grundstein für Ford-Werke am Rhein

1930–1949 Neue Heimat und neue Modelle

Konrad Adenauer überzeugt Henry Ford, der Köln zum deutschen Produktionsstandort seines Unternehmens und zum Firmensitz der Ford-Werke AG macht. Die Modelle „Rheinland“, „Köln“ und „V8“, „Eifel“ und „Buckel-Taunus“ begründen die rheinische Tradition der Marke mit dem blauen Oval. 
 
Genau genommen hat der Ford-Standort Köln eine Berliner Vorgeschichte. Sie beginnt am 18. August 1925 mit einem Kapital von fünf Millionen Reichsmark und dem Eintrag der Ford-Motor A.G. ins dortige Handelsregister.

In gemieteten Werkhallen am Berliner Westhafen setzen die ersten deutschen Ford-Beschäftigten das legendäre T-Modell („Tin Lizzie“) aus vorgefertigten, per Schiff aus den USA angelieferten Teilen zusammen. Zur „Kölner Marke“ wird Ford am 20. Januar 1930, als Ford in Köln-Niehl ein 17 Hektar großes Gelände mit einer 740 Meter langen Rheinfront erwirbt sowie der Option auf weitere 30 Hektar. Oberbürgermeister Konrad Adenauer, der nach dem Krieg zum ersten Kanzler der Bundesrepublik avanciert, hatte Henry Ford von den Standortvorteilen am Rhein überzeugt. Der Firmengründer gibt sich bei der Zeremonie zur offiziellen Grundsteinlegung am 2. Oktober 1930 äußerst zuversichtlich: „Ich weiß, die Deutschen werden einen guten Job machen.“ Im Wettbewerb hatte sich Köln damals übrigens gegen Frankfurt am Main, Magdeburg und Neuss durchgesetzt. Der Kölner Standort wird zur Produktionsstätte und zum Firmensitz der Ford-Werke AG.  

Als erster Ford „Made in Cologne“ läuft am 4. Mai 1931 ein Lkw vom Band, der Ford Schnell-Laster Modell AA, und startet anschließend zu einer Werberundfahrt durch Deutschland. Die Fabrikgebäude umfassen 33.000 Quadratmeter mit 650 Maschinen. Geplant wurde mit 1.200 Arbeitsplätzen und einer Produktionskapazität von 60 Fahrzeugen pro Tag, zunächst der Lkw-Schnell-Laster Modell AA und der Pkw Modell A. Der Stundenlohn liegt mit mindestens zwei Mark deutlich über dem damaligen Durchschnittslohn. Doch die Auswirkungen der Wirtschaftskrise machen sich bemerkbar und drosseln die Nachfrage enorm. So sind im ersten Jahr der Kölner Produktion lediglich 619 Fordler beschäftigt. Die offizielle Eröffnung findet am 12. Juni 1931 statt – und zwar mit großem Publikum. Rund 40.000 Ford-Fans aus ganz Europa nehmen in fast 11.000 Fahrzeugen an der Sternfahrt „Zu Ford am Rhein“ teil. Ziel ist die Henry-Ford-Straße in Köln-Niehl.  

1932 ersetzt das Modell B „Rheinland“ das Modell A, gleichzeitig entwickelt Ford das Modell Y, den Kleinwagen „Köln“. Schon zwei Jahre nach dem Start, 1933, ist das Angebot von Ford in Deutschland auf drei Baureihen angewachsen: die Modelle B (Rheinland), Y (Köln) und der mondäne V8. Und das Wachstum geht zügig weiter. Schon 1934 hat sich das Produktionsvolumen des Kölner Werkes gegenüber dem Vorjahr auf ca. 10.000 Einheiten pro Jahr verdoppelt. Der Ford „Eifel“ löst das Modell Y ab, und der erste „Lehrling“ beginnt am 16. Juli seine Ausbildung. Bis heute sind es mehr als 16.300 junge Leute, die bei Ford in Köln erfolgreich ins Berufsleben gestartet sind. Derzeit stehen bei den Ford-Werken sieben Ausbildungsberufe sowie vier duale Studiengänge zur Auswahl.   

1939 ersetzt der erste „Buckel-Taunus“ das Modell „Eifel“ und beginnt damit eine lange Erfolgsgeschichte mit sechs ihm nachfolgenden Taunus-Generationen aus Köln. Doch zunächst wird die Taunus-Erfolgsgeschichte vom Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unterbrochen. Die Ford-Produktionsanlagen werden zu feindlichem Vermögen erklärt, vom NS-Regime beschlagnahmt und dürfen während des Krieges nur von Deutschen geführt werden. Zugleich beginnt die Umstellung von der Pkw- zur Lkw-Produktion für militärische Zwecke, auch mit Hilfe von Fremd- und Zwangsarbeitern aus den von der deutschen Wehrmacht besetzten Gebieten.  

Im Herbst 1944 trifft eine Bombe der Alliierten die Ford-Werke. Kurz vor Kriegsende im März 1945 beschießt die deutsche Artillerie die inzwischen von den US-Streitkräften besetzten Ford-Werke und richtet beträchtliche Schäden an. 

Nach dem Krieg – die Produktion beginnt bereits im Mai 1945 – werden trotz Energie- und Materialengpässen im Jahr 1946 fast 4.700 Lastwagen produziert. Gegen Jahresende haben sich 188 Ford-Händler zur Keimzelle einer neuen Verkaufsorganisation formiert, 1948 läuft die Produktion des Ford „Buckel Taunus“ wieder an. 

1950–1969: „Meisterstück“ und kölsche Partnerschaft

Mit dem 12 M „Meisterstück“ setzt sich die Erfolgsära des Ford Taunus fort – und der FK 1000 legt den Grundstein für eine Transporter-Legende namens Ford Transit. 

Die Ford-Werke unterstützen den Kölner Karneval als Mobilitätspartner – eine Partnerschaft, die bis heute anhält.   

Auch in der Kölner Kultur und Lebensart schlägt Ford immer tiefere Wurzeln. Seit 1951 stellt das Unternehmen Fahrzeuge für den Kölner Rosenmontagszug als Bagagewagen, also als Transportfahrzeuge für „Kamelle“ und „Strüßjer“. Ab der Session 1965 ist außerdem das Kölner Dreigestirn und das Präsidium des Festkomitees Kölner Karneval während der gesamten Session in Ford-Modellen unterwegs.  

Mit dem Taunus 12 M – das „M“ steht selbstbewusst für „Meisterstück“ – bringt Ford 1952 sein erstes komplett neu entwickeltes Nachkriegsmodell auf den Markt. Die auf der Nasenspitze des 12 M positionierte Weltkugel soll internationales Format und Exportambitionen symbolisieren, die Ford auf das Fahrzeug setzt. Zugleich verhilft sie ihm zu seinem Spitznamen: eben „Weltkugel“.

Eine weitere Autolegende betritt 1953 in Gestalt des Kleintransporters und Transit-Vorläufers FK 1000 die Bühne, im Juli des gleichen Jahres läuft der 50.000ste Taunus 12 M vom Band. Und da die Kölner Autobauer seit jeher bemüht sind, auch die Risiken und Nebenwirkungen des Automobilverkehrs im Blick zu halten, importieren sie die Idee der amerikanischen Schülerlotsen nach Deutschland und spenden dafür 300.000 DM. Auf dem Erfolgsweg des Unternehmens wird auch die Belegschaft „mitgenommen“. Zum Beispiel durch ein 1954 eingerichtetes Vorschlagwesen, um wertvolle Erfahrungen und gute Ideen von Kolleginnen und Kollegen in die Tat umzusetzen und auch zu honorieren.

Der weitere Verlauf der 1950er-Jahre ist ebenfalls von Wachstum und Fortschritt geprägt. 1955 rollt der Taunus 15 M mit dem ersten, nach dem Krieg neu entwickelten Motor (55 PS) vom Band. 1956 erreicht der Standort Köln die stolze Mitarbeiterzahl von 10.000 Beschäftigten, steigt 1957 mit vier Modellvarianten des neuen Taunus 17 M (P2, „Gelsenkirchener Barock“) in die gehobene Mittelklasse ein und erntet 1958 weitere Früchte des Wirtschaftswunders: Erstmals wurden in einem Jahr mehr als 100.000 Fahrzeuge produziert, von denen schon gut die Hälfte als Exportmodelle fremde Länder unter die Räder nehmen. Inzwischen fertigt der Standort Köln mit rund 16.000 Beschäftigten ca. 240.000 Autos pro Jahr (Stand 2019). Davon sind etwa 82 Prozent für den Export in 44 Länder bestimmt.

1960, im 30. Kölner Jubiläumsjahr, schwenkt Ford mit dem neuen Taunus 17M (P3) auf die aerodynamisch optimierte „Linie der Vernunft“ ein. Deren Protagonist, vom autoaffinen Publikum liebevoll „Badewanne“ getauft, wird ein Verkaufsschlager. Auch das Thema Migration packt Ford frühzeitig und mit positiver Haltung an: Als erstes deutsches Unternehmen werben die Kölner Autobauer bereits 1961 Arbeitsmigranten aus der Türkei an. Migranten aus dem ehemaligen Jugoslawien sowie aus Portugal und Italien hatten schon in den Jahren zuvor eine berufliche Heimat im Unternehmen. Heute sorgen Beschäftigte aus etwa 90 Ländern für Vielfalt bei den Ford-Werken.

In den 1960er-Jahren gibt es weitere Technikmeilensteine „made in Cologne“ zu feiern. 1962 kommt mit dem Taunus 12M (P4) der erste Fronttriebler von Ford in Deutschland, 1963 setzt der Taunus 17M (P3) Maßstäbe als erstes Modell der Marke mit Scheibenbremsen. 1964 bereichert der „Badewannen“-Nachfolger Taunus (P5) das Technikspektrum der Marke mit V4- und V6-Motoren und 1967 mit einer aufregenden, vom italienischen Hersteller Officine Stampaggi Industriali aufgebauten Metamorphose zum OSI-Coupé. 1966 löst der Taunus 12M/15M (P6) die Baureihe P4 ab, ebenfalls mit Frontantrieb und mit Federbeinen an der Vorderachse. Von 1966–1971 macht sich darüber hinaus die Modellfamilie Ford 17M, 20M und 26M einen Namen als komfortable Reiselimousine, wobei die Kombiversion Turnier vor allem bei Gewerbetreibenden und Handwerkern besondere Beliebtheit erlangt.

Der in Köln ansässige Teil der Ford-Welt wächst derweil kontinuierlich. Im Sommer 1968 nimmt das „John-Andrews-Entwicklungszentrum“ in Köln-Merkenich seine Arbeit auf und bündelt am deutschen Standort nun auch Engineering-Kompetenzen. Auch das europäische Designzentrum, der Windkanal und zwei Teststrecken sind hier angesiedelt.

1969 betritt eine Ford-Ikone, wie sich schnell herausstellen wird, auf ungewöhnliche Art die Bühne: Das Sportcoupé Ford Capri I präsentiert sich, nicht weit vom Kölner Werk in der Bonner Beethovenhalle, erstmals der Öffentlichkeit. Der von Mustang-Designer Philip T. Clark designte Sportwagen erobert die Herzen vieler Autoenthusiasten im Sturm und gilt bis heute bei vielen Oldtimer-Fans als absoluter Klassiker.

1970–1989: Kleinwagen-Klassiker und erster Autotransporter auf Rhein

Consul und Granada erscheinen auf der Bildfläche. Aus dem Projekt mit dem Code-Name „Bobcat“ wird Europas erfolgreichster Kleinwagen.

Das Kölner Ford-Team nutzt Lage am Rhein und führt den ersten Autotransporter der europäischen Binnenschifffahrt ein.

Und es läuft weiter rund bei Ford in Köln. 1971 feiert man das sechsmillionste Modell aus deutscher Produktion. 1972 treten die neuen Ford Consul und Granada als Limousine, Turnier und Coupé das Erbe der Baureihe 17M/20M/26M an; gleichzeitig beginnt unter dem Code-Namen „Bobcat“ eines der bislang größten Entwicklungsprojekte der Marke: Designer, Ingenieure und Techniker in den Entwicklungszentren Köln sowie Dunton (Großbritannien) arbeiten an einer weiteren Säule der Ford-Modellgeschichte, die 1976 als Ford Fiesta das Kleinwagensegment des Herstellers begründen soll und sich schnell zum Publikumsliebling und Klassenbestseller mausert. Bereits 31 Monate und 29 Tage später knackt der Fiesta die Ein-Millionen-Marke. So schnell hatte das branchenweit in Europa noch kein Modell geschafft. Allerdings rollt der Fiesta zunächst im 1970 eröffneten Werk in Saarlouis vom Band. Erst 1979 zieht die Fiesta-Produktion an den Rhein. Seither hat das Stammwerk Köln mehr als 9 Millionen Einheiten produziert. Und der Fiesta avancierte gleich mehrfach zu Europas meistverkauftem Kleinwagen des Jahres.

1977 kommt es in Merkenich zu einem großen Brand: 75 Prozent der Lagerfläche des europäischen Teilevertriebszentrums von Ford gehen in Flammen auf. Der Großbrand verursacht Schäden in Höhe von 200 Millionen D-Mark. Doch schon vier Tage später werden bereits wieder Ersatzteile ausgeliefert und ein Jahr darauf ist das Ersatzteillager wieder komplett aufgebaut. Heute versendet das Teilevertriebszentrum in Merkenich rund 36.000 Bestellungen an Händler, Importeure und Tochtergesellschaften in ganz Europa.

Doch 1977 gibt es auch gute Nachrichten von Ford aus Köln. Auf der IAA 1977 erscheint die zweite Auflage des Obere-Mittelklasse-Vertreters Granada mit eckiger Pontonkarosserie und neuen V6-Motoren. 1978 ist der komfortable Reisewagen der erste Ford-Pkw mit Dieselmotor. Und weil man bei Ford stets auch die Förderung des Ingenieursnachwuchses im Blick hat, stiftet das Unternehmen noch im selben Jahr für die erfolgreichsten Absolventen der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen den „Henry-Ford-II-Studienpreis“.

1982 setzt Ford erneut Maßstäbe, diesmal im Design. Als Nachfolger der Taunus-Baureihe präsentiert sich der Sierra mit einer ungewöhnlichen Formensprache aus fließenden Linien, die praktisch direkt aus dem Windkanal stammen. Gebaut wird der damals futuristisch anmutende Neuling allerdings nicht in Köln, sondern im Werk Genk/Belgien, das ebenfalls zur Ford-Werke AG gehört.

Auch in puncto Logistik zeigt sich das Kölner Ford-Team innovativ und nutzt die Gunst der Topografie. Zusammen mit dem Reeder Interrijn B. V. (Rotterdam) und dem Automobil-Logistiker E. H. Harms (Bremen) entwickeln die Ford-Transportexperten den ersten echten Autotransporter der europäischen Binnenschifffahrt. Sie bauen den Containerfrachter „Terra“ zum so genannten RoRo-Schiff (Roll-on and Roll-off) um – ein umweltfreundliches Konzept, mit dem Ford bis heute eine führende Rolle in der Automobilindustrie spielt. Die Autoschiffe verkehren heute auf den Routen Köln-Vlissingen (Niederlande) und Köln-Antwerpen; rund 45 Prozent der Ford Fiesta-Modelle aus Köln werden mittlerweile auf dem Wasserweg an ihre Bestimmungsorte transportiert. 
1985 beginnt in Köln die Produktion des Granada-Nachfolgers Scorpio, der die Fachwelt als erstes Großserienmodell mit serienmäßigem ABS-Bremssystem überrascht. Auch mit der beheizbaren Frontscheibe, die bei winterlichen Bedingungen schnellstens freie Sicht und Sicherheit schafft, ist man im gleichen Jahr als erster Automobilhersteller am Markt. Das beeindruckt die Expertenjury, die den Scorpio 1986 zu Europas „Auto des Jahres“ kürt.

Und dass der Dialog mit den Kunden bei Ford grundsätzlich eine große Rolle spielt, zeigt der 1987 eingeführte Austausch mit Neuwagenkäufern zu Fahrzeug- und Servicequalität – auch dies ein Novum unter europäischen Automobilherstellern. Um hier Topergebnisse zu erzielen, müssen hohe Standards in den Produktions- und Lieferketten umgesetzt werden. Dies gelingt den Ford-Werken offensichtlich. Denn 1988 verleiht die Ford Motor Company erstmals in Deutschland die „Q1-Qualitätsauszeichnung“ an Lieferanten und eigene Werke.

1990–1999: Zwei Ableger des Fiesta und Europa-Zentrale am Rhein

Die vierte Fiesta-Generation bekommt zwei pfiffige Brüder: den Stadtflitzer Ford Ka und das Sportcoupé Ford Puma.

In Aachen entsteht das einzige Ford-Forschungszentrum außerhalb der USA, und die Zentrale von „Ford of Europe“ zieht von Großbritannien in die rheinische Metropole.

Dass Ford nicht nur mit dem allgegenwärtigen blauen Markenlogo in Köln präsent ist, wird 1991 weithin sichtbar: Auf dem Turm des Kölnischen Stadtmuseums landet ein „Goldener Vogel“ in Gestalt eines Ford Fiesta mit übergroßen Schwingen. „Ausgebrütet“ hatte die fantastische Kreatur der international bekannte Aktionskünstler HA Schult als Teil seiner 12 Fiesta starken Kunstinstallation „Fetisch Auto“.

1994 nimmt in Aachen das einzige Forschungszentrum von Ford außerhalb der USA seine Arbeit auf. Das europäische Ford Research & Innovation Center (RIC) mit aktuell rund 250 Ingenieuren und Wissenschaftlern ist weltweit zuständig für Forschung und Vorentwicklungen in den Bereichen Dieselmotoren, Energiemanagement, 48-Volt-Bordnetztechnologie, Fahrdynamik und Fahrwerktechnik.

Einen von zahlreichen Belegen der Heimatverbundenheit von Ford dokumentiert die ebenfalls 1994 gegründete Partnerschaft mit dem Fußball-Traditionsklub 1. FC Köln, in deren Rahmen die Ford-Werke den Spielern, Trainern, dem Präsidium und Management des Vereins Fahrzeuge der Marke zur Verfügung stellt. Die FC-Spieler und Verantwortlichen fahren bis heute Ford.

Ab 1995 läuft in Köln die vierte Generation des Ford Fiesta vom Band. 1996 folgt auf identischer Plattform der in Köln entwickelte, jedoch in Valencia produzierte Ford Ka, mit dem die Marke in Europa zugleich das neue Kleinstwagen-Marktsegment der „Minicars“ definiert. Auch optisch markiert der pfiffige Autozwerg eine Wegmarke in der Markenhistorie, ist er doch das erste Ford-Modell im New-Edge-Design von Chefgestalter Claude Lobo.

Und weil sich das Unternehmen auch immer wieder im gesellschaftlichen Leben für Toleranz und zeitgemäßes Denken positioniert, ist Ford 1996 zum ersten Mal bei der schwul-lesbischen Parade des Kölner Christopher Street Day (CSD) dabei. Innerbetrieblich startet ein aktives „Diversity Management“, bei dem es darum geht, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung oder religiöser Überzeugung jedem Einzelnen Wertschätzung und Respekt entgegenzubringen. Bereits 2002, und damit lange vor dem offiziellen Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG), wurde zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung zum „Partnerschaftlichen Verhalten am Arbeitsplatz“ abgeschlossen.

1997 beginnt in Köln die Produktion des kleinen Sportcoupés Puma, eines weiteren Fiesta-Plattformbruders nach dem Stadtflitzer Ka.

Als erster Automobilhersteller erhält Ford 1998 für sämtliche Werke weltweit eine Zertifizierung nach der neuen Umweltmanagement-Norm ISO 14001. Auch die kontinentale Schaltstelle des Unternehmens konzentriert sich jetzt vollständig in der rheinischen Metropole: Die Zentrale von „Ford Europa“ wird 1998 von Warley/Großbritannien nach Köln verlegt und lenkt von hier aus sämtliche Aktivitäten auf dem Kontinent. Als Zentrum von Verwaltung, Design, Entwicklung und Produktion wird Köln damit zu einem der weltweit wichtigsten Standorte der Ford Motor Company.

Im September 1999 rufen die Ford-Werke das FiT-Programm (Frauen in technischen Berufen) ins Leben, mit dem Mädchen und junge Frauen gezielt technische Berufe kennenlernen können. Mehr als 10.000 Interessentinnen haben die Angebote bisher genutzt, jährlich sind es etwa 700. Die Initiative zeigt Wirkung, denn seit Beginn des Projekts sind durchschnittlich 16 Prozent der Ford-Auszubildenden in der technischen Berufsausbildung weiblich – der Durchschnitt der Mitgliedsunternehmen der Industrie und Handelskammer (IHK) Köln in vergleichbaren Berufen liegt hingegen bei lediglich rund 8 Prozent.

Im gleichen Jahr stellt Ford in Gestalt des „P2000“ ein Konzeptfahrzeug mit Brennstoffzellenantrieb vor, das statt Abgas lediglich Wasserdampf emittiert. Auf der IAA 1999 präsentiert sich die ebenfalls wasserstoffbetriebene Studie „FC5“ neben einer breiten Fahrzeugpalette mit alternativen Antrieben.

Ford-Modelle aus Kölner Produktion

Ford Modell A: Produziert von 1931–1932; ca. 1.200 Einheiten
Ford Lkw (Modell AA, Modell BB, V8-51, G917/987; B3000/V3000S (Rhein/Ruhr), FK 2000 – FK 4500): 1931–1961; ca. 200.000 Einheiten
Ford Modell B („Rheinland“): Produziert von 1932–1936; ca. 7.400 Einheiten
Ford Modell Y („Köln“): Produziert von 1933–1936; ca. 11.000 Einheiten
Ford V8: Produziert von 1932–1941; ca. 18.000 Einheiten
Ford leichte Nutzfahrzeuge (FK 1000/FK 1250 (Taunus Transit): 1953–1965; ca. 256.000 Einheiten
Ford Eifel: Produziert von 1935–1940; ca. 61.500 Einheiten
Ford Taunus (sieben Generationen; inkl. Taunus Transit): Produziert von 1939–1942 und 1948–1971; ca. 3,2 Millionen Einheiten
Ford Capri (drei Generationen): Produziert von 1968–1986; ca. 1,4 Millionen Einheiten
Ford Granada/Consul (zwei Generationen): Produziert von 1972–1985; ca. 1,6 Millionen Einheiten
Ford Fiesta (acht Generationen): Produziert (in Köln) seit 1979; ca. 9,2 Millionen Einheiten
Ford Scorpio (zwei Generationen): Produziert von 1985–1999; ca. 860.000 Einheiten
Ford Puma: Produziert von 1997–2001; ca. 129.000 Einheiten
Ford Fusion: Produziert von 2002–2012; ca. 812.000 Einheiten