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Autor: Christian Sandler / Photos: W. M. Buchta, migbm, Stockinger, Tomschi


Bergrennrevival Bad Mühllacken

Trotz widriger, Corona-bedingter Umstände schaffte es die Motorsport I.G. Bad Mühllacken bereits zum fünften Mal, das mittlerweile schon zur Legende gewordene Bergrennrevival von Bad Mühllacken nach Lacken durchzuführen. Dieser unscheinbare Ort im oberösterreichischen Mühlviertel, etwa 20 km donauaufwärts von Linz, ist bereits seit den 1960er- und 1970er-Jahren für den Bergrennsport bekannt. Ist doch dies die Debut-Strecke, wo die Karrieren von Niki Lauda und Jo Gartner begannen.

Das Zittern der Veranstalter dauerte bis etwa zwei Wochen vor dem geplanten Termin am 7. August – der Bescheid der zuständigen Behörde ließ pandemiebedingt lange auf sich warten, hatte sich aber gelohnt. Tausende Zuschauer, die Teilnehmer und das Veranstalterteam sowie die Feuerwehren im Start und Zielbereich wurden bezüglich 3G-Regel genauestens überprüft.

Das Starterfeld umfasste etwa 40 historische Motorräder und Gespanne, sowie etwa 120 Rennwagen. Klingende Namen wie Benelli, Honda, Alfa, Lotus, Tecno, Lola, Brixner Bergspyder, March oder BMW waren ebenso vertreten wie Rolls Royce oder Lamborghini. Kein Schreibfehler, denn es war wirklich ein RR Silver Shadow im Renntrimm am Start. Die umtriebigen Mühlviertler schafften nebst einigen Puch 500 oder NSU-Rennzwergen sogar zwei reinrassige Formel 1 aus den 1970er-Jahren an die Startlinie. Rudi Raml nahm den „Berg“ mit einem Ex-James Hunt- und Keke Rosberg-Wolf WR 7 in Angriff und Franz Guggemos brachte den wunderschönen Hill GH2 von Tony Brise an den Start. Der hoffnungsvolle britische Rennfahrer Brise kam zusammen mit seinem Teamchef Graham Hill bei einem Flugzeugabsturz 1975 ums Leben. Stark vertreten war auch das Kaimann-Team als Hommage an den kürzlich verstorbenen Gründer und legendären Rennwagenkonstrukteur Kurt Bergmann. Franz Kapeller startete mit dem Kaimann Super V, mit dem Jo Gartner in Bad Mühllacken 1976 seine Karriere begann. Karl Holzinger brachte einen Kaimann Mk IV und Martin Voglsberger einen Super V von Keke Rosberg in die ländliche Idylle.

Als Hingucker präsentierte sich auch der Abarth 2000 SE021 von Horst Pichler. Ein Bolide, der schon von Kurt Rieder, Hans Meier oder Otto Stuppacher (1973–1974) auf der B132 hinauf getrieben wurde. Auch interessant, das letzte Siegerauto von Bad Mühllacken (1976) ein Brabham BT40 Formel 2, seinerzeit pilotiert von Kurt Rieder, war mit dem jetzigen Besitzer Hermann Bosch ebenfalls wieder dabei. Philosophie des Veranstalters ist eben, Leute und Boliden von damals wieder an den Ort des Geschehens zurückzubringen. Karl Zach, Wolfgang Daurer oder Michael Mitterer, um nur einige zu nennen, waren solche „Wiederholungstäter“. Horst Felbermayr trat mit jenem Porsche Carrera RSR an, mit dem einst sein Vater 1975 und 1976 den Hügel in Angriff nahm.

Die Veranstalter versuchten einen Bogen von Fahrzeugen zu spannen, wo hauptsächlich historische Rennwagen sowie auch ein paar moderne Boliden, wie etwa ein Lamborghini Hurracan GT3 aus dem ADAC GT Masters zu sehen waren. Sogar Rallycross-Europameister Herbert Grünsteidl, der hier in Mühllacken 1968 schon Niki Lauda verblies, lies es sich nicht nehmen, hier am Start zu sein.

Das Fahrerlager in Mühllacken ist auch so eine eigene Geschichte. Die Teilnehmerfahrzeuge wurden auf zwei Innenhöfen von landwirtschaftlichen Anwesen fein säuberlich in Reih und Glied aufgestellt. So wie es eigentlich vor einem halben Jahrhundert üblich war, Motorsport wie damals eben.

Und weil bei diesem Event nach StVO gefahren wurde und daher keine Zeitnahme stattfand und es somit auch keinen Sieger im herkömmlichen Sinn gab, bekam einfach jeder Teilnehmer einen Pokal. So einfach geht das im Mühlviertel.

Fans und Teilnehmer dieser Veranstaltung sollten sich den ersten Samstag im August 2023 unbedingt vormerken, da steht die sechste Ausgabe am Plan.