Prestige & Passion à Paris

Autor: Roland Heckl


Von der Rétromobile 2026 berichtet Roland Heckl

Sie ruckelt und zuckelt, sie quietscht und biept. Die Pariser Metro ist ein Oldtimer, der seit 126 Jahren auf 245 Kilometern mit 321 Stationen ihren Dienst tut. 4,3 Millionen Fahrgäste sind pro Tag mit ihr unterwegs. Gefühlt sind die alle mit mir in der Linie 12, die derzeit umgebaut wird, deshalb nur eingeschränkt verkehrt und gerade jetzt wieder einmal beschließt, zwischen zwei Stationen eine Verschnaufpause einzulegen. Ein kollektives Seufzen geht durch den voll besetzten Zug. Irgendwann wird dann aber doch alles gut und wir erreichen den Eingang bei der Porte de Versailles. 

 

Wer glaubt, nun endlich da zu sein, irrt. Jetzt beginnt erst mal der kollektive Fußmarsch zum anderen Ende des Messegeländes, wo in Halle sieben auf drei Ebenen rund 70.000 m2 (ca. zehn Fußballfelder) Ausstellungsfläche zur Verfügung stehen. Dazu kommt noch die benachbarte Halle vier, die für den Privatverkauf und die „Supercar Garage“ für edle Sportwagen auf weiteren 19.000 m2 reserviert ist.


 

Die Idee, die Messe in nur zwei Hallen abzuwickeln mag, abgesehen vom Anmarsch, kurze Wege ermöglichen, drängte die 181.500 Besucher an fünf Tagen jedoch auf engem Raum arg zusammen und sorgte für ein ordentliches Gedränge auf den Gängen zwischen den Messeständen. Dem versuchte der Veranstalter immerhin mit ausgedehnten Öffnungszeiten, teilweise bis 22 Uhr, entgegenzuwirken.

Für die 50. Jubiläumsausgabe der Rétromobile hat man sich einiges einfallen lassen: So wurde für die Oldtimermesse extra ein ganzer Zug vom nationalen Eisenbahnmuseum Cité des Trains in Mulhouse nach Paris heran gekarrt. Den einzig erhaltenen Präsidenten-Triebwagen hat Ettore Bugatti höchst persönlich entworfen und mit gleich vier seiner 8-Zylinder-Motoren aus dem „Type 41 Royal“ ausgestattet, um bereits 1934 auf fast 200 km/h zu beschleunigen. Gleich daneben fand die obligate Messeauktion statt, die erstmals von Goodings-Christie’s durchgeführt wurde. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: mit 81 angebotenen Fahrzeugen wurde ein Umsatz von über 50 Millionen Euro erzielt. Teuerstes Objekt der Begierde war ein Ferrari 288 GTO 1984, der um rund 9,1 Millionen Euro den Besitzer wechselte. Auch der Ferrari FXX K Evo 2018 um fast 7 Millionen Euro und der Talbot Lago T150-C SS 1938 um 6,75 Millionen Euro waren nicht gerade als Schnäppchen zu bezeichnen. Den Vogel schoss jedoch ein Ferrari 250 GT SWB California Spider 1960 um fast schon obszöne 14 Millionen Euro ab. Dieser wurde jedoch nicht direkt auf der Messe, sondern auf einer anderen, der vier an diesem Wochenende in Paris abgehaltenen Auktionen ersteigert.

Ansonsten hatten professionelle, internationale Händler, Marken, Clubs, Museen und Veranstalter wieder ihre Prunkstücke aufgeboten, um die Gunst des Publikums an sich zu ziehen.

Wie immer bei Oldtimer-Messen ließ einen die überbordende Vielfalt der Eindrücke schnell ermatten und machte Pausen unabdinglich. Nun sollte man meinen, dass gerade in Frankreich auf gediegene Kulinarik auch bei derartigen Veranstaltungen großer Wert gelegt wird, doch weit gefehlt: Lange Schlangen bei völlig überlaufenen Essensständen und viel zu wenig Sitzplätze, zwangen viele Besucher dazu, ihr Weckerl zu ebener Erd’ einzunehmen.

Doch abgesehen von dieser Randbemerkung setzte die Rétromobile mit seiner Fülle an exklusiven und außergewöhnlichen Raritäten zum Jahresbeginn dennoch den Maßstab für das kommende Oldtimerjahr.


 

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