La Carrera Costa Rica
Autor: Wolfgang M. Buchta
Ulli und Wolfgang Buchta sind mit dem Mercedes SL in den Dschungel gefahren und heil zurück gekommen – ein Reisebericht
Costa Rica ist mit 51.100 km² ein eher kleines Land – etwas größer als die Schweiz und ungefähr so groß wie Ostösterreich, aber Costa Rica hat einiges zu bieten: Zwei Ozeane (den Pazifischen Ozean im Westen und das Karibische Meer im Osten), etliche Vulkane und andere Berge, deren höchster der Cerro Chirripó (3.820 m) ist, eine üppige, tropische Vegetation und eine bemerkenswerte Tierwelt (freundlicherweise ohne wirklich gefährliche Exemplare) und rund 25% der Fläche sind Nationalparks.
Und „für unsereins“ hat Costa Rica noch eine Attraktion: „La Carrera Costa Rica“. Es war einmal ein deutsches Ehepaar, das in der ganzen Welt unterwegs war, ehe es sich vor 15 oder so Jahren in Costa Rica angesiedelt hat. Inga und Ingo – so heißen die beiden wirklich – haben auch ein Herz für ältere Fahrzeuge und haben derzeit drei Mercedes R107, zwei Range Rover der ersten Generation und den einen oder anderen Porsche „im Stall“. Und gelegentlich lassen sie diese für ihre Gäste auf die Straße und die Schotterpiste – Ladies and Gentlemen,



Erste Etappe
Natürlich geht es bei „La Carrera Costa Rica“ ums Auto und ums Fahren, aber die erste Fahrt führt uns einmal zum „Aeropuerto Internacional Tobías Bolaños“ – einen von mehreren Flughäfen der Hauptstadt San Jose –, wo es um Flugzeuge und ums Fliegen geht. Denn die beste Art, sich über ein neues Land einen ersten Überblick zu verschaffen, ist wohl von oben.
Am Aeropuerto erwartet uns diese schön bunte Quest Kodiak 100 von Costa Rica Green Airways zu einem Erkundungsflug, der uns bis an den Pazifik bringt.
Wieder daheim, werden die feinen Automobile wieder einsortiert und wir schließen den Tag mit neuen Freunden und – wie habt Ihr das jetzt erraten – mit einem feinen Abendmahl ab.











Zweite Etappe
Unsere zweite Fahrt führt uns „in die Stadt“ – also in die Hauptstadt –, wo sich am Sonntag sogar in San Jose der Verkehr in Grenzen hält, und vorbei an den – Sorry! – wenigen Sehenswürdigkeiten, wie dem „Instituto Costarricense de Ferrocarriles“, wo einige historische Lokomotiven ausgestellt sind, und am Nationaltheater von Costa Rica geht’s zum Mercado Central de San José.
Wow, eine solch unglaubliche Fülle frischer, exotischer Früchte haben wir noch nie gesehen, und für uns hungrige Reisende gibt’s ein original Costa Ricanisches Frühstück. Nochmals Wow!
Aber schon bald geht es weiter – wir sind ja nicht den weiten Weg nur zum Essen gekommen – in den Irazu Volcano National Park, wo es aus einer Höhe von gut 3.300 Metern einen unglaublichen Ausblick gibt.
Beeindruckend die Sorgfalt und Liebe zum Detail unserer Gastgeber, die uns mit einem Pick Nick – ganz stilsicher am Kofferraum eines 380 SL in Inka Rot – überraschen.
Apropos beeindrucken: Beeindruckend, oder vielleicht sollte man eher bedrückend sagen, der Besuch im Mirador del Sanatorio Carlos Durán, einer ehemaligen Lungenheilstätte, die heute ein „Patrimonio Nacional“, ein nationales Denkmal ist und wo es bis heute spuken soll.



















Dritte Etappe
So, genug gefaulenzt! Wir sind ja hier auf der „La Carrera Costa Rica“ und „Carrera“ heißt auf Spanisch „Rennen“ – also Ladies and Gentlemen start your engines, denn heute liegt ein weiter Weg vor uns. 300 km klingt nach nicht so viel; Wien–Salzburg fährt man in zwei, vielleicht zweieinhalb Stunden, aber zwischen Wien und Salzburg gibt es auch eine Autobahn, und zwischen San Jose und unserem Ziel, der Kunken Lodge in Bahia Chal gibt es den „Cerro de la Muerte“ (den Gipfel des Todes), der höchsten Stelle (3.335 m) des Pan-American Highway. Aber die Kunken Lodge an den Gestaden des Pazifik ist die Fahrt wert, und hier wird für die nächsten Tage unsere Heimstätte sein.












Vierte Etappe
An der Westküste von Costa Rica gibt es nicht nur schöne Hotels, sondern auch schöne Straßen für unsere Mercedes mit spektakulären Photolocations, und ab und zu kommt auch ein klassischer, großen Bruder entgegen.
Nach vielen, vielen Kilometern malerischer Schotterstraßen sind wir (und unsere Autos) staubig und durstig. Da ist vielleicht eine kleine Wasserdurchfahrt – die wir alle fehlerfrei und problemlos meistern! – genau das Richtige.
Aber Costa Rica bietet nicht nur Großartiges für Automobilenthusiasten. Auch Freunde der Luftfahrt finden Schmuckstücke, wie diesen Piasecki HUP Retriever/H-25 aus 1968, der ein wenig verloren am Rand der Straße parkt.
Und ein Ausklang eines ereignisreichen Tages am Pool und bei einem köstlichen Abendmahl soll auch nicht so schlecht sein.














Fünfte Etappe
Guten Morgen, Philippe! Hier, deine Frühstücksbanane! Auch dieser mehr oder weniger zahme Nasenbär ist Teil der exotischen Tierwelt des Landes.
Einst war Golfito am Golfo Dulce das Zentrum des Bananenexports, von wo die UFCo (United Fruit Company) Bananen um mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar pro Jahr exportierte; heute liegt die Pheasant (ein unter der Flagge Singapores fahrender Tanker von 143 m Länge) recht einsam im Hafen.
Seit 1949 gibt es keine Streitkräfte Costa Ricas mehr, aber dafür die „Fuerza Pública de la República de Costa Rica“ (Polizei). Und dem Auge des Gesetzes in Form dieser charmanten Polizistin von der Verkehrspolizei Transito entkommen nicht einmal unsere Klassiker.
Trotzdem erreichen wir den südlichsten Punkt unserer Reise und dürfen ins benachbarte Panama blicken.
Ein paar Stunden später treffen wir – schon wieder – auf die Polizei und siehe da, es geht auch so: Der freundliche Grenzpolizist Lorenzo ist immer für ein nettes Wort und ein Photo zu haben.














Sechste Etappe
Wir wollen Costa Rica doch zu Land, Luft und auf dem Wasser erleben – heute: die Bootsfahrt!
Mit einem kleinen Ausflugboot geht’s durch Bahia de Los Guabos zum „Regenwald der Österreicher“, ein Naturschutzprojekt aus dem Jahre 1991, von dem im Laufe der Jahre mehr als 4.000 Hektar Regenwald angekauft wurden. Einst haben auch wir einen Quadratmeter erworben …
Aber der Tag hat noch mehr zu bieten, als den „Regenwald der Familie Buchta“ – Delphine und – ähnlich drollig – Herr Buchta als Kapitän.
Und wieder (auch ganz ohne Automobil): A Grand Day Out!














Siebente Etappe
Time to say „Good Bye“ und Zeit für die Rückreise nach San Jose. Natürlich nicht über die gleiche Route, wir wollen ja das Land kennen lernen; dieses tolle Land mit seinen Schotterstraßen, auf denen sich unsere tapferen Mercedes SL voran arbeiten (zumindest fast immer – wenn wir den Range Rover nicht gehabt hätten!), mit seinen, äh, rustikalen Fähren und mit seinen exotischen Tieren.
Und seinen exotischen Technik-Denkmälern, auf die wir immer wieder stoßen, wie diese restaurierte Baldwin-Dampflokomotive aus dem Jahr 1940, die in Palmar Sur zu bewundern ist.















Achte Etappe
Costa Rica ist weltbekannt für die hohe Qualität seines Kaffees, also begeben wir uns auf die Suche. Über kurvige Bergstraßen mitten durch Kaffeeplantagen führt uns der Weg zu einer legendären, äh, Werkstätte, in deren „Hinterzimmer“ preisgekrönter Kaffee geröstet, verkostet und verkauft wird.
Den gelungenen Abschluss der Fahrt bildet eine Probefahrt mit einem Range Rover, Bj. 1972 – einer von ganz wenigen, die in Costa Rica assembliert wurden.
Aber die Reise ist erst zu Ende, wenn die Musik nach Hause gegangen ist, das leckere BBQ zu Ende ist, und wir uns bedankt haben, bedankt bei unseren Gastgebern Inga und Ingo Bartsch von Equis Oldtimer Rallye Reisen, die die Carrera Costa Rica nicht zum ersten Mal durchführen.
¡Gracias Inga, gracias Ingo!
Und zur fulminanten Reise ein fulminantes Gewinnspiel!














