In ganz kleinen Dosen
Autor: Text & Photos: Hedi & Jürgen Splet
Von 1. bis 3. Mai fand das vierjährliche Microcar-Treffen in Meisterschwanden in der Schweiz statt
So wie schon 2021 bei dem verspäteten 60er waren auch im Vorjahr wieder eine Menge Teilnehmer aus der Schweiz beim Jubiläum des KARO-Clubs Österreich in Kaprun dabei – und nachdem die Einladung für das Microcar-Treffen 2026 schon damals ausgesprochen wurde und einige der Schweizer Teilnehmer mit ihren Dreirädern auch auf Achse nach Kaprun gereist waren, stand für uns fest: 1. Wir sind dabei! Und 2. Wir fahren natürlich auf Achse!


In Ermangelung eines fahrbereiten echten Microcars (Hubraumgrenze 500 ccm) nannten wir mit unserem allseits bekannten NSU Prinz3 – er erfüllte zumindest die anderen Vorgaben mit Alter und Größe – und freuten uns auf unser erstes Oldtimertreffen in der Schweiz.


Außer uns hatte sich aus Österreich nur Familie Tomek zu dieser Veranstaltung angemeldet, was ich persönlich sehr schade finde, da diese nur alle vier Jahre abgehalten wird und niemand weiß, was in weiteren vier Jahren sein wird.
Die Anreise – gemeinsam mit Familie Tomek – lief in zwei Etappen ab: erste Etappe bis Memmingen – dort Übernachtung und tags darauf in die Schweiz nach Meisterschwanden. Das ist grob gesagt etwa 40 km südwestlich von Zürich am Ostufer des Hallwilersees gelegen – und wenn man den Ehrgeiz hat, kein Navi zu verwenden, gar nicht so einfach zu finden – im dritten Anlauf haben wir es dann geschafft, nachdem wir ein paar Kilometer zuvor falsch abgebogen waren.


Kleines Bonmot am Rande: Am Vorabend der Abfahrt war Hedi noch bei uns im Hof gestürzt – fühlte sich nicht so schlimm an, in Memmingen meinte sie dann doch, dass es unangenehm schmerzt – und in Dornbirn am Weg in die Schweiz holten wir uns dann am 1. Mai einen Gipsarm für die Dame. Die Stimmung war ein wenig gedämpft … Aber das Wetter war schön und blieb es auch.
Als wir am Festparkplatz eintrafen, waren schon viele Teilnehmer vor Ort – und so wurde nach diversen Begrüßungen, Anmeldung bei der Organisation etc. der Fotoapparat ausgepackt … So blieb es bis zum Abendessen …

Der nächste Tag war auch der Haupttag der Veranstaltung: Eine Microcar-Rallye mit Roadbook und diversen Aufgabenstellungen galt es zu bewältigen. Die Strecke war genau nach meinem Geschmack: wunderschöne schmale Nebenstraßen und eine ein wenig knifflige Streckenführung (was wir gleich zu Anfang bemerkten, als wir dem Herdentrieb folgend mit anderen falsch abbogen).
Das Roadbook war bis auf einen Fehler, der uns einige zusätzliche Kilometer bescherte, hervorragend gemacht und auch die Aufgaben waren teilweise sehr originell – beispielsweise wurde noch nie zuvor unsere Nase zur Erkennung von Düften gefordert – das war eine Premiere!


Schlussendlich trudelten im Laufe des späteren Nachmittags dann alle, die teilgenommen hatten, auch wieder am Parkplatz ein – sodann Programm wie am Tag zuvor: tratschen und fotografieren!
Der Abend in der großen Halle wurde mit Essen, netten Worten und dem Auftritt eines Elvis-Imitators verbracht – er machte seine Sache an sich gut, nur ist das halt nicht meine Musikrichtung … Egal, wir unterhielten uns gut und irgendwann machten wir uns auf den Weg zum Hotel – der Ausblick über den See mit Mond vom Hotelfenster aus war absolut sehenswert.


Sonntags war ein spezieller Programmpunkt angesagt: Wir fuhren im lockeren Konvoi nach Mutschellen – dort findet regelmäßig eine Bergwertung statt, in deren Mittagspause die Teilnehmer des Microcar-Treffens den Berg hinauf fahren sollten – als Pausenprogramm sozusagen. Unfassbar, was dort an Fahrzeugen und an Zuschauern vor Ort war. Ich habe etwas Derartiges in keiner Weise erwartet – und prompt den Akku meiner Kamera geleert … Aufgrund von Vorfällen im Renngeschehen verzögerte sich unser Auftritt zwar gehörig, aber schlussendlich fuhren wir alle unter Beifallskundgebungen den Berg hinauf und auch auf Umweg wieder hinab – und von dort zurück zum Veranstaltungsort. Viele Teilnehmer bogen dann schon zuvor Richtung Heimat ab – wir blieben noch eine weitere Nacht und machten auf gemütlich. So auch mit einer Rundfahrt am See, während plötzlich ein Gewitter losbrach. Hat auch etwas, ein stürmisches Gewitter am See, wenn man unter Dach ist …


Am nächsten Tag fuhren wir nach dem Frühstück im Hotel ab – diesmal sozusagen die südliche Streckenvariante an zwei Seen vorbei und dann bei Sargans links über Liechtenstein nach Österreich. Dort blieben wir dann bei der Rückfahrt – ÜBER den Arlberg (durch den Tunnel kann jeder fahren) und noch ein paar weitere Berge bis Bischofshofen – dort Übernachtung bei Freunden der Marke Rootes – und am nächsten Tag weitere ereignislose Autobahn bis Gaweinstal. Insgesamt gut 1900 km ohne Probleme mit einem Verbrauch von etwas unter 5 l/100 km, und dann – auf den letzten zehn Metern – hätte uns beinahe ein SUV vor unserem Haus abgeräumt, der den Blinker missachtete und trotzdem zum Überholen ansetzte. Aber es ging gut aus und so hat der Prinz nach wie vor seinen Originallack von 1961 am Kotflügel.


Und die Moral von der Geschichte? Jeder, der nicht dabei war, ist selbst schuld – und in vier Jahren fahren wir mit Reliant oder Goggomobil passend zur Ausschreibung – oder vielleicht sogar mit unserem Trojan? Vier Jahre sind lang – oder doch kürzer, als man denkt … Jedenfalls freuen wir uns schon darauf – meint Jürgen Splet.


