Oldie-Flugparade auf Schweizer Alpengipfel
Autor: Text: Jürgen Schelling Photos: Uwe Stohrer
Zum zweiten Mal fand eine Oldtimer-Flugparade auf dem Alpengipfel Rigi in der Zentralschweiz statt. Ein Warbird aus Salzburg nahm ebenfalls teil.
Es ist ein echtes Fest für Aviatikfans an Pfingsten auf dem schweizerischen Alpengipfel Rigi: Über, seitlich und sogar unterhalb der Zuschauer fliegen wunderschöne Oldtimer vorbei. Das Spektakel bietet ebenso aufregende wie ungewohnte Perspektiven. Denn für Flugzeuge ist ein Abstand von mindestens 150 Meter zum Boden vorgeschrieben. An dem zu einer Seite steil abfallenden Gipfel Rigi-Kulm ist das überhaupt kein Problem. Deshalb fliegen die Maschinen auf Augenhöhe mit den Besuchern oder sogar unter ihnen an der Bergspitze mit ihrer markanten Antenne vorbei.

Die Palette der fliegenden Klassiker ab den 1940er-Jahren ist äußerst vielfältig. So fliegt zu Beginn eine wunderschöne Zweimotorige mit herrlichem Klang ihrer je 450 PS starken Sternmotoren am Gipfel vorbei. Es ist eine 1945 gebaute Beech 18. Sie ist durch ihr ungewöhnliches Doppel-Seitenleitwerk unverwechselbar.
Eine De Havilland DHC-2 Beaver aus Kanada auf Schwimmern wurde gerade erst in der Schweiz frisch restauriert. Mit seinem Amphibienfahrwerk kann der Oldie von 1954 sowohl auf dem nahegelegenen Vierwaldstättersee als auch auf Land starten und landen. Die sechssitzige Beaver gilt bis heute als Buschflugzeug-Ikone.

Quasi zurück zu ihren Wurzeln heißt es für gleich mehrere Flugzeuge von Pilatus Aircraft über der Rigi. Denn die P-2 und P-3 mit Kolbenmotor sowie die PC-7 und PC-9 mit Propellerturbine wurden einst nur wenige Kilometer entfernt am Firmensitz in Buochs gebaut. Auch der nach seinem historischen Vorbild „Yeti“ buntbemalte PC-6 Porter schaut vorbei. Er ist das weltweit einzige noch fliegende Exemplar einer PC-6 mit Kolbenmotor anstelle der später verwendeten Propellerturbine in der Porter, wie sie etwa bei der österreichischen Luftwaffe fliegt.

Eidgenössische Luftfahrtgeschichte verkörpert auch der MD-3 160 Swisstrainer aus den 1970er-Jahren. Der einst in Serie gebaute Zweisitzer wurde vom Sohn des damaligen Konstrukteurs Max Dätwyler, Peter Dätwyler und einem Kollegen, pilotiert.

Ein erst seit kurzem in der Schweiz stationiertes ehemaliges Schulflugzeug der US-Luftwaffe ist die Ryan PT-22 Recruit. Mit ihrem Kinner-R5-Sternmotor, dem hochglanzpolierten Rumpf und der knallgelben Tragfläche sowie den beiden offenen Cockpits ist der Oldtimer mit Baujahr 1941 auch optisch eine Attraktion.

Drei graue Tiefdecker sehen zwar aus wie Klassiker, sind tatsächlich aber erst wenige Jahre jung. So brummen im Formationsflug die nahezu identischen Nachbauten einer Junkers F13 über die Rigi, dem ersten Verkehrsflugzeug aus Ganzmetall mit der charakteristischen Junkers Wellblech-Außenhaut aus den 1920er-Jahren. Die Nachbildungen wurden zwischen 2016 und 2022 im schweizerischen Dübendorf und im süddeutschen Bundesland Baden-Württemberg gebaut.

Je eine Stinson L5, AT-16, ein Fieseler-Storch-Replikat von Slepcev sowie eine Piper PA-18 Cub fliegen ebenfalls über den Gipfel der Rigi. Optisch besonders auffällig ist eine knallgelbe und rasant vorgeflogene AT-6A Harvard mit Sternmotor am tiefblauen Himmel.

Die schnellsten Maschinen sind zwei North American P-51 Mustang. Das legendäre US-Jagdflugzeug aus den 1940er-Jahren könnte zwar mehr als 700 km/h erreichen. In knapp 2000 Meter Höhe darf der Pilot allerdings nur quasi mit Halbgas fliegen, weil in dieser Höhe noch ein Geschwindigkeitslimit im Sichtflug von 250 Knoten, etwa 450 km/h, besteht. Die P-51 ist bis heute eines der schnellsten Propellerflugzeuge der Welt und mit 1500 PS oder mehr aus einem Rolls-Royce Merlin-Packard V12 extrem kräftig motorisiert. Die P-51 Mustang mit dem Spitznamen „Nooky Booky IV“ und Baujahr 1944 kommt eigens von den Flying Bulls aus Salzburg eingeflogen. Sie betont durch ein Smokesystem mit weißem Rauch an den Tragflächen ihre rassige Vorführung am blauen Himmel zusätzlich.

Die zweite teilnehmende P-51 Mustang „See me later“ ist hingegen in Süddeutschland stationiert. Sie ist ebenfalls zweisitzig, es kann also ein nicht allzu groß gewachsener Passagier auf dem Notsitz mitfliegen. Beide Warbirds überzeugen neben ihrer hohen Geschwindigkeit auch durch den einmaligen Merlin-Sound und eine spektakuläre Vorführung.

Die Piloten genießen es sichtlich, ihre seltenen Klassiker in der atemberaubenden Alpen-Kulisse präsentieren zu dürfen. Die Oldies sind bei ihren Vorbeiflügen angesichts einer Vorbeiflughöhe in oder unter 2000 Meter und des unvergleichlichen Panoramas spektakulär anzusehen.

Einen Programmpunkt „Alt und Neu“ bildet der Schleppzug mit dem einst in Helvetia produzierten Segelflug-Oldtimer Moswey 4a. Das Unikat hatte seinen Erstflug bereits im Februar 1951 und wurde in mehr als 4000 Arbeitsstunden seit 2002 vollständig restauriert. Die Moswey mit markanten Knickflügeln ist komplett aus Holz. Ihr Pilot dreht nach dem Ausklinken einige Runden völlig lautlos um die Rigi. Sein Schleppflugzeug ist hingegen rund 70 Jahre jünger. Es ist ein modernes Ultraleichtflugzeug vom Typ Lightwing AC-4 „Glider Tow“, das in der Schweiz in Kleinserie gebaut wird.

Höhepunkt sind die Vorbeiflüge des größten Flugzeugs, der am eidgenössischen Flugplatz Grenchen stationierten Douglas DC-3 in einer Bemalung der frühen Swissair. Der Airliner mit 29 Metern Spannweite, erstmals zugelassen am 4. August 1943 in den USA, fasziniert durch ein imposantes Flugbild sowie den markanten Sound seiner beiden Sternmotoren. Die nahezu unverwüstliche US-Maschine aus den 1930er- und 1940er-Jahren ist bis heute immer noch in vielen Exemplaren weltweit im Einsatz.

Die Rigi-Flugparade hat ihren eigentlichen Ausgangspunkt in der einstigen Stanserhorn-Airparade nicht weit entfernt. Mehrere Jahre lang fand diese vor begeisterten Zuschauern statt. Allerdings empfanden die neuen Verantwortlichen der Bergbahn das Aviatik-Event als nicht mehr zeitgemäß und veranstalteten es deshalb letztmals 2024. Das wiederum ließ zwei der beteiligten Piloten nicht ruhen. Sie setzten sich zusammen, organisierten und hoben eine neue Veranstaltung wenige Gipfel weiter aus der Taufe. Dabei kam ihnen etwas Glück zu Hilfe. Denn am 4. Juni 1875 nahm die Arth-Rigi-Bahn den Betrieb als Zahnradbahn auf. 150 Jahre später wurde dieses Jubiläum 2025 gefeiert. Erstmals war für dieses außergewöhnliche Ereignis daher auch eine Flugparade vorgesehen. Die sollte eigentlich bereits an Pfingsten vergangenes Jahr über der Rigi stattfinden. Da vereitelten aber kurzfristig aufziehende Wolken rings um den Gipfel eine Vorführung. Deshalb fand sie zwar am Ausweichtermin zum schweizerischen Nationalfeiertag am 1. August statt, aber wegen starker Böen nur mit deutlich eingeschränkter Teilnehmerzahl der Flugzeuge. Dieses Jahr herrschten bei der Rigi-Flugparade hingegen perfekte Bedingungen.

Der Aufwand, um eine solche Aviatik-Veranstaltung inmitten der Alpen zu stemmen, ist allerdings enorm. Damit etwa die Sicherheitsstandards des eidgenössischen Bundesamtes für Zivilluftfahrt eingehalten werden, findet für alle teilnehmenden Piloten wenige Wochen vor der Flugparade ein verpflichtendes Briefing statt. Dort wird genau informiert, wie und in welcher Höhe angeflogen werden soll, welche Routen möglich und je nach Geschwindigkeit des Flugzeugs sinnvoll sind oder welche verbindliche Ankunftszeit jede Crew einhalten muss. Das ist nicht einfach, denn die teilnehmenden Flugzeuge starten nicht nur von verschiedenen Flugplätzen aus der ganzen Schweiz, sondern sogar aus Süddeutschland oder Salzburg. Dementsprechend exakt müssen ihre Piloten auch unter Berücksichtigung des Wetters planen, um ihr jeweils sechsminütiges Zeitfenster nicht zu verfehlen. Zudem sind die Maschinen zwischen 140 km/h und zumindest theoretisch bis zu 800 km/h äußerst unterschiedlich schnell.

An Pfingsten hat aber alles geklappt und die zahlreichen Zuschauer erlebten auf der Rigi an einem dafür äußerst ungewöhnlichen Ort eine spektakuläre Flugschau.
