Die Kleinen unter den Großen

Autor: Text: Jürgen Splet | Photos: Franz Pulkert


Treffen historischer Lieferfahrzeuge auf Schloss Ehrnau

Sie sind die Underdogs unter den historischen Kraftfahrzeugen. Bei Veranstaltungen für historische Nutzfahrzeuge unscheinbar, bei Treffen „normaler“ Oldtimer“ – sprich: PKW auch nicht wirklich zugehörig … Eine Sonderstellung hat hier einzig der VW-Bus, der durch seine Entdeckung als Transporter der Hippie-Kultur einen immerwährenden Status trägt.

Aber die anderen? Ob es jetzt Transporter der B-Schein-Klasse von Hanomag, Ford, Austin, Renault oder Fiat sind – um nur einige Beispiele zu nennen – sie sind, soferne sie den ihnen zugedachten Arbeitsalltag überhaupt überlebt haben, maximal in ein zweites Dasein als selbstgemachte Wohnmobile gewechselt oder von Häuselbauern als Baumarktfahrzeug und später als Gartenhütte verwendet worden. That’s it, damit sind gut 99 % der Schicksale von kleinen Transportern ausreichend beschrieben. 

Aber es gibt auch andere: die raren Überlebenden, die aus irgendwelchen oft nicht mehr nachvollziehbaren Gründen in ihrer ursprünglichen Form erhalten blieben, bis sie von einem „Liebhaber“ entdeckt und wieder „erweckt“ wurden.

Und nun gab es – zum bereits zweiten Mal – auch eine eigene Veranstaltung für diese Fahrzeuggattung: Das Treffen für historische Lieferfahrzeuge in Mautern/Steiermark. Die Menge der dort zusammenkommenden Fahrzeuge war überschaubar, aber von einer wunderbaren Vielfalt gezeichnet – wenn überhaupt, gab es einen leichten Überhang an Fahrzeugen der Marke Renault, was wohl auch dem Organisator geschuldet ist … – ansonsten gab es eine bunte Vielfalt aus Deutschland, Japan und … Österreich! Ja, ihr lest richtig, es war ein Vorkriegs-Steyr mit Ladeplattform in unglaublichem Originalzustand dort. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Österreich in dieser Klasse ja kaum etwas zu bieten; der kleine ÖAF, der ebenfalls vor Ort war, ist eigentlich schon etwas zu groß beim höchst zulässigen Gesamtgewicht … aber schön war er trotzdem. Und was nicht eingetreten war: Es gab keinen befürchteten Überhang der Marke VW.

Das Wetter spielte mit, die Versorgung mit gutem Essen war ebenfalls gegeben – und nachmittags schaute noch eine kleine Gruppe von Steyr-Puch-Autos und Puch-Mopeds vorbei – wobei speziell das blaue Moped auffiel –, ein Re-Import aus Schweden einer Exportversion, die ich so noch nicht kannte.

Im Laufe des Nachmittags brachen die Teilnehmer dann langsam auf; wir blieben noch bis Sonntag in der Gegend und fuhren erst tags darauf gemütlich heim, und da waren wir nicht alleine.

Ich bin schon gespannt, welches Teilnehmerfeld wir im Jahr 2027 erwarten dürfen. Wer hat noch ein passendes Schätzchen in der Garage? Bis dann wieder auf Schloss Ehrnau bei Mautern/Steiermark, darauf freut sich Jürgen Splet.

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