Die Biographie der Traumwagen
Autor: Christoph Hüsing
Monika und Dieter Klopfer sind Autosammler im Unruhestand
Sie besitzen und restaurieren Klassiker, von denen andere Autofans nur träumen können; seit 1997 haben Monika und Dieter Klopfer eine Sammlung aufgebaut, die inzwischen rund 100 Oldtimer und Youngtimer umfasst, darunter zahlreiche Exoten. Ihr Geheimnis: Das Ehepaar aus dem Münsterland hat immer dann gekauft, wenn der jeweilige Marktwert ihrer Traumwagen den absoluten Tiefstand erreichte. Das erfordert Sachverstand, Geduld, Erfahrung und eine gute Vernetzung in der Oldtimerszene. Die Autos sind das Herzstück der gemeinnützigen Klopfer Foundation, die ein eigenes Museum in der Gemeinde Nottuln betreibt – zu besichtigen auf Anfrage.
Es sind nicht nur einige wenige Pokale, es ist gleich ein ganzer Vitrinenschrank voller Trophäen, der in der Sammlung für sich spricht und Eindruck hinterlässt. Als Rallye-Asse waren die Klopfers zu ihrer aktiven Zeit geradezu berüchtigt in der Szene. Wenn sie mit ihrem grünen britischen Daimler-Roadster vorfuhren, um an einem Wettbewerb teilzunehmen, konnte sich die Konkurrenz nur geringe Chancen ausrechnen. „Die Klopfers wieder“, stöhnte so mancher. Als eingespieltes Team belegten sie in schöner Regelmäßigkeit den Ersten Platz. Einziger Nachteil: Von den Landschaften bekam Monika Klopfer so gut wie nichts mit, so konzentriert schaute sie bei den Rallyes und Gleichmäßigkeitsprüfungen ins Roadbook. Und ihr Ehemann war sowieso ein „alter Hase“ am Volant, den nichts ablenken konnte, hatte er doch schon in den 1970er-Jahren Rennen gefahren.

Parallel zum Sport entwickelte sich die Sammelleidenschaft: Seltenheit ist ein Hauptargument für den Kauf, aber auch Authentizität, Originalität und Unverfälschtheit des Entwurfs. So entstammen die Autos jeweils möglichst der allerersten Produktionsserie – und es sind Raritäten darunter, von denen es weltweit nur noch eine Handvoll Exemplare gibt.
Alles begann damit, dass die Klopfers sich 1997 ein Jaguar-Cabrio Typ XK 120 zulegten – seinerzeit noch bezahlbar, heute fast unerschwinglich. Wirklich an dem damals neuen Hobby ihres Gatten interessiert war Monika Klopfer zunächst nicht, der Funke sprang erst einige Jahre später über, als es um die Unterbringung der rasant wachsenden Sammlung ging. Während zunächst eine Doppelgarage reichte, musste irgendwann ein großer Neubau her: eine von außen eher unscheinbare Halle, im Industriegebiet von Nottuln gelegen. „Da wurde es ernst“, sagt Monika Klopfer. Die beiden bewiesen auch hier Teamgeist, hatten sie doch schon zuvor ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickelt – in Form einer Bauträgerfirma. Monika Klopfer, die lange Jahre als Kauffrau selbständig war, wurde als Immobilienmaklerin tätig; ihr Mann, der für die Telekom Mobilfunknetze entwickelt hatte, brachte seinen technischen Sachverstand ein. Und schließlich wurden sie in eigener Sache aktiv.

Jedes Auto hat dabei seine eigene, ganz individuelle Biographie: Die Historie seiner Entwicklung und Produktion, die Geschichte seiner Vorbesitzer, aber auch die Erfahrungen und Erkenntnisse, die das Sammlerehepaar damit verbindet, fügen sich wie ein Mosaik zusammen. All dies geben die Klopfers beim Rundgang durch die Sammlung im persönlichen Gespräch weiter – garniert mit unterhaltsamen Anekdoten. Könnte man das in der Ausstellung nicht elektronisch und interaktiv über Bildschirm-Terminals wiedergeben? „Nein!“, sagt Dieter Klopfer vehement, obwohl er als Diplom-Ingenieur eigentlich technikaffin ist. Viel zu unterschiedlich seien die Vorkenntnisse, Erwartungshaltungen und persönlichen Hintergründe der Besuchenden, betont er. So war es eine besondere, aber auch sehr erfreuliche Herausforderung, Demenzkranken die Klopfer Foundation und ihre Sammlung näherzubringen. Der zwischenmenschliche Kontakt ist halt durch nichts zu ersetzen.

Sicher trägt auch die besondere Atmosphäre des Museums zum Wohlfühlfaktor der Gäste bei, wirkt es doch nicht wie eine anonyme Parkgarage, sondern wie ein großes Wohnzimmer. Jedes Fahrzeug im Obergeschoss wird von einer Tiffany-Deckenlampe beleuchtet, Stilmöbel laden zum Verweilen ein, das Ganze erinnert mit einem Hauch Nostalgie an längst vergangene Tage; auch ein professionell ausgestatteter Thekenbereich darf nicht fehlen.
Im Fokus stehen aber die Autos: Highlight ist eine originalgetreue Replika des legendären, inzwischen unbezahlbaren Jaguar-Rennsportwagens D-Type, den die britische Firma Lynx ab 1972 in allen Details korrekt nachbaute, natürlich auch, was die charakteristische Heckflosse betrifft. Oder aber der ebenfalls seltene Bitter SC mit Opel-Technik, dessen italienisch inspiriertes Karosserie-Design nach Meinung vieler Kenner einem Ferrari der 1980er-Jahre ebenbürtig ist.
In der von außen unspektakulär-sachlich und schmucklos gehaltenen Halle finden sich nicht nur automobile Preziosen, sondern auch Sammlerstücke im Miniaturformat: In professionell ausgeleuchteten Vitrinen wird die größte öffentlich zugängliche Kollektion von Wiking-Modellautos im Maßstab 1:87 präsentiert, ergänzt durch Fabrikate der Marken SIKU und Steiff, aber auch viele Schiffsmodelle.

Die Sammlung wächst derweil stetig weiter: Mehrere Jaguar- und Alvis-Klassiker wurden zuletzt hinzugestiftet, so dass sich die vielfältige „englische Abteilung“ als Kern des Museums dynamisch weiterentwickelt. Doch nicht nur das: Ein zweiter Museumstandort in Horstmar kam unlängst hinzu; hier stehen die luftgekühlten Fahrzeuge der Sammlung im Mittelpunkt. Eine dritte Halle soll zeitnah ihre Pforten öffnen. Auch finanziell ist die Basis gesichert: Ein größerer Zeitungsartikel im NRW-Teil der WELT am SONNTAG im Juni 2025 löste Zustiftungen für das Museum in Höhe von über 500.000 EUR aus, was einmal mehr belegt, dass das Konzept der Klopfer Foundation aufgeht.
Aber auch die Forschung unterstützen die Klopfers: Mit ihrer Hilfe entwickelte ein Farbenhersteller einen speziellen Oldtimer-Neulack, der den Klassikern sympathische Gebrauchsspuren verleiht und Hochglanz vermeidet. Apropos Patina: Der Originalzustand wird so lange wie möglich erhalten; doch wenn ein Auto restauriert werden muss, versetzen es die Klopfers in ihrer eigenen Werkstatt detailgetreu in den Neuzustand – piekfein überrestaurierte Glanzstücke, die Schönheitskonkurrenzen gewinnen, sind ihre Sache aber nicht. Und sie begreifen sich auch nicht als Investoren.

Die Idee, eine Stiftung zu gründen, um die Sammlung dauerhaft zu erhalten, entstand vor sechs Jahren – ein Schritt, über den viele Sammlerinnen und Sammler, die im fortgeschrittenen Alter sind, intensiv nachdenken. Seit die gemeinnützige Stiftung, die Modellcharakter hat, im Jahr 2022 offiziell durch den Regierungspräsidenten anerkannt wurde, stehen neben Erhalt und Präsentation der Fahrzeuge vor allem auch Wissenstransfer und Traditionspflege „am Objekt“ auf der Agenda des Kuratoriums. Denn allein chromblitzende Karossen zur Schau zu stellen, reicht dem Stifterehepaar nicht aus: „Wir wollen mit den Autos arbeiten“, betont Dieter Klopfer. Sie öffnen ihr Museum deshalb regelmäßig für ganz unterschiedliche Veranstaltungen – von Markenclubtreffen über Seminare und Schulungen bis hin zum Klassikkonzert im Rahmen des Festivals „Summerwinds“, das im Sommer 2024 stattfand. Und die Klopfers sind dabei unermüdlich: Rund 100 Besichtigungstermine absolvieren sie pro Jahr – und zwar bei freiem Eintritt. Auch dafür hätten sie einen Pokal verdient.
