Im Heritage Hub: „Der Fiat Topolino wird 90“

Autor: Redaktion


Der von Dante Giacosa entwickelte Fiat 500 „Topolino“ wurde in drei Modellgenerationen gefertigt und bis 1955 mehr als 376.000 Mal produziert.

Im Juni 1936 feierte der Fiat 500 sein Debüt. Schon bald erhielt er den liebevollen Spitznamen „Topolino“ und veränderte die Geschichte der Mobilität in Italien nachhaltig. Mit ihm begann die „Demokratisierung“ des Automobils, das bis dahin vor allem den wohlhabenderen Gesellschaftsschichten vorbehalten war. Dieser Ansatz prägt FIAT bis heute: Die Marke entwickelt weiterhin zugängliche Fahrzeuge, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen ihrer Kundinnen und Kunden orientieren und zugleich jene Originalität und Ausstrahlung verkörpern, die die Turiner Traditionsmarke seit jeher auszeichnen.

Neunzig Jahre nach seiner Markteinführung vereint der Fiat 500 „Topolino“ noch immer Enthusiasten und Sammler, die ein Erbe lebendig halten, das fest zur industriellen und kulturellen Identität Italiens gehört. Aus diesem Anlass gründeten der Topolino Autoclub Italia und der Club Topolino FIAT Torino das Komitee „Der Fiat Topolino wird 90“, das die gleichnamige Veranstaltung ins Leben rief. Das außergewöhnliche Treffen führte vom 11. bis 14. Juni durch einige der schönsten und geschichtsträchtigsten Orte Turins und seiner Umgebung.

Am Samstag, den 13. Juni, machte die Teilnehmergruppe im Rahmen der abwechslungsreichen und stimmungsvollen Route Halt im Heritage Hub. Das Ausstellungszentrum befindet sich auf dem Gelände des Industriekomplexes Mirafiori, in dem ab 1947 auch der legendäre Topolino produziert wurde (zuvor lief die Fertigung im ebenso ikonischen Werk Lingotto). Vor dieser eindrucksvollen Kulisse entstand eine exklusive Veranstaltung für die Teilnehmer von „Der Fiat Topolino wird 90“, die eine geführte Besichtigung des Heritage Hub sowie ein Gala-Dinner inmitten einer einzigartigen Sammlung automobilen Kulturguts genießen konnten.

Neben zwei prachtvollen Exemplaren der Versionen B und C waren auch Reproduktionen historischer Plakate und Werbeentwürfe für den Fiat 500 Topolino zu sehen, die von Künstlern zur Markteinführung des Fahrzeugs gestaltet wurden. Die Originale dieser kleinen Kunstwerke werden im Centro Storico FIAT aufbewahrt. Ebenfalls ausgestellt war ein Fahrgestell des Fiat 500 A, das freundlicherweise vom MAUTO zur Verfügung gestellt wurde. Das Museum erhielt dieses Exponat 1937 als Geschenk von FIAT. Es veranschaulicht eindrucksvoll die Ingenieurskunst Dante Giacosas, dessen Konstruktion in mancher Hinsicht auf Methoden aus dem Flugzeugbau zurückgriff. Der junge Ingenieur begann seine Laufbahn bei FIAT Avio, bevor er zu FIAT wechselte und dort einige der innovativsten und bedeutendsten Automobile seiner Zeit entwickelte.

Der Heritage Hub bestätigt einmal mehr seine Rolle als ideale Location für private und institutionelle Veranstaltungen. Die besondere Atmosphäre des Ortes verbindet sich hier mit der Faszination einer weltweit einzigartigen Sammlung automobilen Kulturerbes. Für weitere Informationen und Buchungsanfragen wenden Sie sich bitte an heritagehub@stellantis.com. Darüber hinaus ist der Heritage Hub täglich außer montags für Besucher geöffnet. Tickets können online erworben werden; dabei besteht die -2-Wahl zwischen einem individuellen Rundgang an Werktagen und einer geführten Besichtigung an Wochenenden.

Die Geschichte einer Ikone

Der Fiat 500 „Topolino“ entstand zwischen den beiden Weltkriegen mit dem Ziel, die Motorisierung breiter Bevölkerungsschichten in Italien durch ein erschwingliches Automobil voranzutreiben. Ausgangspunkt war die ambitionierte Idee des Technischen Direktors Antonio Fessia, der ein kompaktes Fahrzeug mit Frontmotor und Frontantrieb entwickeln wollte – eine für die damalige Zeit äußerst ungewöhnliche Konstruktion. Nachdem jedoch bei den Erprobungen des ersten Prototyps Probleme auftraten, wurde das Projekt 1934 dem jungen Ingenieur Dante Giacosa übertragen, der bis dahin an Flugzeugmotoren gearbeitet hatte.

Die Fahrzeugarchitektur wurde daraufhin konventioneller ausgelegt: mit Frontmotor und Hinterradantrieb. Dennoch setzte Giacosa auf eine ungewöhnliche Lösung: Der Vierzylindermotor mit 569 cm³ Hubraum wurde vor der Vorderachse und sogar vor dem Kühler positioniert. Der konsequente Fokus auf Wirtschaftlichkeit führte zu zahlreichen genialen Details. So war der hoch hinter dem Motor angebrachte Kühler dank des Thermosiphon-Prinzips ohne Wasserpumpe funktionsfähig. Mit einer Leistung von 13 PS erreichte der Wagen eine Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h. Der Radstand von zwei Metern bot zudem ausreichend Platz für zwei Personen. Auf einer kleinen Rückbank konnte ein weiterer Passagier mitfahren – allerdings nur bei den Versionen mit zurückklappbarem Stoffverdeck.

Gerade die tiefe Position des Motors ermöglichte die charakteristische, nach vorn abfallender Motorhaube. Die außen auf den Kotflügeln angebrachten Scheinwerfer erinnerten an die Ohren der berühmten Disney-Figur – und gaben dem Fahrzeug seinen bis heute bekannten Spitznamen „Topolino“ (italienischer Name von Micky Maus). Im Juni 1936 wurde der Wagen als „das neue kleine große Auto für Sparsamkeit und Arbeit“ vorgestellt. Begleitet wurde die Präsentation von einem Film des Istituto Luce, der auf der Terrasse des Circolo della Stampa in Turin gedreht wurde. Mit einem Preis von 8.900 Lire lag der Fiat 500 zwar deutlich über dem ursprünglich anvisierten Ziel von 5.000 Lire, entwickelte sich jedoch dennoch zum Erfolg: Bis zum Ausbruch des Krieges wurden jährlich rund 20.000 Fahrzeuge verkauft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion wieder aufgenommen, und das Modell entwickelte sich kontinuierlich weiter. 1948 debütierte auf dem Genfer Automobilsalon der Fiat 500 B. Äußerlich nahezu unverändert, bot er eine Leistungssteigerung von fast 30 Prozent und erreichte damit bis zu 95 km/h. Zudem verfügte er über verbesserte Bremsen, hydraulische Stoßdämpfer und eine modernisierte elektrische Anlage. Gleichzeitig erschien die Giardiniera Belvedere – die erste viersitzige „Topolino“ mit Holzverkleidungen, die von amerikanischen Station Wagons inspiriert waren.

1949 folgte der Fiat 500 C mit versenkten Scheinwerfern, horizontalem Kühlergrill, Aluminium-Zylinderkopf und – erstmals in einem Serienmodell von FIAT – einer Innenraumheizung. Nach einer Gesamtproduktion von mehr als 376.000 Fahrzeugen endete die Fertigung 1955. Als prägendes Fahrzeug der Nachkriegsjahre, das sowohl Familien als auch Gewerbetreibenden diente, blieb die kleine Revolution auf Rädern noch bis in die 1960er-Jahre hinein auf den Straßen präsent. Nach und nach übernahmen jedoch der Fiat 600 und die Nuova 500 die Rolle, die Massenmotorisierung Italiens zu vollenden, deren Grundstein die „Topolino“ gelegt hatte.


 

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