Mercedes-Benz 170 (W 15): Premiere im Oktober 1931 auf dem Autosalon Paris

Autor: Redaktion


Vor 90 Jahren: Das innovative und kompakte Fahrzeug wird zum Erfolgsmodell

Ein technisch innovativer, kompakter und preiswerter Personenwagen: Damit begeistert Mercedes-Benz auf dem Pariser Autosalon vom 1. bis 11. Oktober 1931 und damit vor 90 Jahren Fachwelt und Öffentlichkeit. Der neue Mercedes-Benz 170 (W 15) ist der erste in größerer Serie gebaute Personenwagen der Welt mit Einzelradaufhängung und Pendelachse. Er gehört zur Tradition der Mercedes-Benz C-Klasse. Für den Antrieb sorgt der Reihensechszylindermotor M 15 mit 1.692 Kubikzentimetern Hubraum und 23,5 kW (32 PS).

Der neue Typ entwickelt sich umgehend zum Erfolgsmodell. Noch im ersten vollen Produktionsjahr 1932 verkauft die Marke mit dem Stern insgesamt 4.438 Exemplare des Mercedes-Benz 170 – das sind fast 75 Prozent der Gesamtjahresproduktion von 5.996 Personenwagen. Bis 1934 bleibt der 170 der am häufigsten gebaute Personenwagen von Mercedes-Benz. Insgesamt entstehen bis 1936 13.775 Fahrzeuge mit zehn verschiedenen Karosserievarianten sowie Fahrgestellen, als der Mercedes-Benz 170 V (W 136) mit Vierzylinder-Reihenmotor die Baureihe W 15 ablöst.

Der lange Weg zum Mercedes-Benz 170

Die Premiere des neuen Mittelklasseautomobils findet fünf Jahre nach der Fusion der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) mit Benz & Cie. im Jahr 1926 zur damaligen Daimler-Benz AG statt. Die Zeit seit der Interessengemeinschaft beider Unternehmen 1924 bringt durch Umstrukturierungen einige organisatorische Herausforderungen mit sich. Auch die Entwicklung eines kompakten Personenwagens von hoher technischer Qualität mit einem attraktiven Verkaufspreis ist davon betroffen. Dabei ist der Bedarf nach einem solchen Automobil angesichts des aktuellen Produktprogramms groß.

Bei der DMG gibt es seit 1923 den von Paul Daimler konstruierten Kompressorwagen Mercedes 6/25 PS (später 6/25/40 PS), der jedoch vergleichsweise teuer ist und nur bis 1925 gebaut wird. Benz & Cie. bringt ins gemeinsame Personenwagenprogramm den Mercedes-Benz 10/35 PS ein, eine überarbeitete Variante des beliebten Benz 10/30 PS. Das kompakte Automobil erweist sich aber als nicht mehr konkurrenzfähig, und die Produktion läuft 1927 aus. Auch der unter der Leitung von Ferdinand Porsche entwickelte und 1926 präsentierte Mercedes-Benz 8/38 PS (W 02) mit 2-Liter-Sechszylindermotor – einer der beiden ersten Personenwagen unter dem neuen Markennamen Mercedes-Benz – ist eine eher konservative Konstruktion mit Starrachsen und Halbfedern.

Einstieg in die Fahrzeugklasse unter zwei Litern Hubraum

Die Entwicklung eines kompakten, innovativen Automobils nimmt bei Mercedes-Benz Ende der 1920er-Jahre an Fahrt auf. Ansatzpunkte dafür gibt es schon länger: Schließlich haben die Ingenieure bei Benz in Mannheim das Thema der Einzelradaufhängung mit Schwingachse bereits 1921 aufgegriffen. Die Technik wird von Benz erfolgreich in Rennwagen eingesetzt, jedoch nicht in die Serie übertragen. 1926 beginnt bei Mercedes-Benz zunächst die Arbeit an einem Personenwagen der Baureihe W 01, der kompakter ist als der Mercedes-Benz 8/38 PS und der von einem 1,4-Liter-Sechszylindermotor angetrieben werden soll. 1928 folgt als Baureihe W 14 ein Personenwagen mit 1,3-Liter-Vierzylindermotor (M 14). Beide Fahrzeuge sind konventionelle Konstruktionen mit vorderer und hinterer Starrachse sowie Blattfedern. Sie werden vom Aufsichtsrat abgelehnt.

Vor allem ab 1928 verfolgt die Stuttgarter Marke nachdrücklich die Idee eines kompakten, modernen Fahrzeugs für das Modellprogramm. So heißt es in einem Vorstandsprotokoll Mitte 1928: „Ein guter Kleinwagen zu entsprechendem Preise [würde] für das Verkaufsprogramm außerordentlich zweckmäßig sein.“ Diskutiert werden im Unternehmen damals Typen mit 1,6 oder 1,5 Litern Hubraum. Im Oktober 1928 beschließt der Vorstand, dass der 1,6-Liter-Typ zunächst nicht gebaut wird, sondern die Versuche mit dem Fahrzeug fortgesetzt werden.

Immer wieder taucht das Projekt in den Protokollen des Konzerns auf: Im Juni 1929 beschäftigen sich die Ingenieure mit dem Schnellganggetriebe und der Schwingachse. Aus dem Mai 1930 gibt es eine Notiz darüber, dass der „Schwingachswagen“ zur Serienreife gebracht wird. Ende Juni 1930 schreibt Wilhelm Kissel, Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG von 1926 bis 1942, über die Bedeutung des späteren Mercedes-Benz 170: „Da die Frage des Vorderradantriebs und der Schwingachse schon seit Jahren die ganze Autoindustrie sehr bewegte, konnte es nicht verantwortet werden, an diesen beiden wichtigen Dingen achtlos vorbeizugehen.“ Endgültig beschlossen wird die Produktion des neuen Personenwagentyps mit 2.600 Millimetern Radstand, 1.455 Kilogramm zulässigem Gesamtgewicht und einer für damalige Zeit durchaus respektablen Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h am 1. Juni 1931.

Lob der Fachwelt

Der Mercedes-Benz 170 überzeugt von Anfang an mit seinen Qualitäten hinsichtlich Federungskomfort, Straßenlage (Einzelradaufhängung) und Fahrsicherheit (hydraulische Bremsen und tiefer Schwerpunkt). Das ist in diesem Marktsegment damals keinesfalls selbstverständlich. Und so wird der W 15 trotz seines mit 4.400 Reichsmark nicht günstigen Preises begeistert im Markt aufgenommen. Dazu stellt Vorstandschef Kissel im Rückblick auf das Jahr 1932 fest: „Wir als einzige Firma konnten aber in diesem Jahre gegen das Vorjahr 1931 dank unserer 1,7 Liter Type 1.700 Personenwagen mehr absetzen. […] Wir waren gerettet dank der hervorragenden Qualität des Schwingachs-Wagens und dank der Güte des Dieselmotors.“

Nicht nur von den Kunden, sondern auch von den Fachjournalisten wird der 3.940 Millimeter lange (mit Stoßstangen kommt er ganz knapp über die Vier-Meter-Marke) Mercedes-Benz 170 positiv bewertet. Schon im Oktober 1931 resümiert die „Automobil Revue“: „In den allermeisten Fällen [wird] das Urteil des sachverständigen oder sachverständig beratenen Käufers immer zu Gunsten des ‚Kleinen Mercedes‘ ausfallen.“

In der „ADAC Motorwelt“ heißt es in der Ausgabe 40/41 vom 8. Oktober 1931 über den kompakten Personenwagen: „Er kann als einer der fortschrittlichsten Gebrauchswagen der Gegenwart bezeichnet werden und verdient das oft mit Unrecht vergebene Prädikat ‚Spitzenleistung der internationalen Automobilbaukunst‘ mit Recht.“ Und weiter: „Es gibt wohl wenige Wagen, bei welchen Fahrgestell und Karosserie derart zueinanderpassend konstruiert sind wie beim Mercedes-Benz Typ 170.“

„Motor und Sport“ schreibt schließlich in Heft 9/1932: „Bei der Beurteilung der Fahreigenschaften fällt es schwer, nicht in Superlative zu verfallen. Insbesondere kann die Federung als bisher unerreicht bezeichnet werden. Erschütterungen als solche sind überhaupt kaum mehr zu verspüren. […] Die Straßenlage ist sehr gut, und dank des tiefen Schwerpunkts ist auch eine forsche Fahrweise von keinem Risiko begleitet.“

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