Wenn ein Museum weiterfährt

Autor: Michael Gross, Director of Auctions, Classic Trader


Museen sind normalerweise Endstationen. Dinge kommen an, bleiben stehen und erklären der Welt, wie es früher einmal war.

Dieses Museum war anders. Es wollte nie stillstehen. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum es jetzt weiterzieht.

Ich habe Rudolf Pirker nie persönlich kennengelernt. Aber nach einigen Stunden zwischen seinen Fahrzeugen hatte ich das Gefühl, ihm näher zu sein als manch lebendem Sammler. Das passiert nur dann, wenn eine Sammlung nicht aus Kalkül entstanden ist, sondern aus Neugier – und aus dem Wunsch, Dinge vor dem Verschwinden zu bewahren.

Pirker sammelte keine Trophäen. Er sammelte Erinnerungen auf Rädern.

Zwischen den Exponaten findet man keine strenge Ordnung, sondern eine sehr österreichische, sehr menschliche Logik. Da steht ein Fiat Topolino, der einst für viele der erste erreichbare Traum vom eigenen Auto war. Daneben eine BMW Isetta, die weniger aus Komfortgründen gekauft wurde, sondern weil sie Freiheit versprach – bei minimalem Platzbedarf. Ein NSU Prinz, ein Lloyd, ein Steyr Baby: Fahrzeuge, die nie Statussymbole sein wollten, sondern Werkzeuge für ein neues Leben nach entbehrungsreichen Jahren.

Besonders deutlich wird diese Haltung jedoch bei den Zweirädern – und hier schlägt das Herz der Sammlung ganz klar österreichisch.

Da sind die Lohner-Roller, jene elegant-pragmatischen Maschinen, die zeigen, dass Mobilität in Österreich immer auch eine Frage von Ingenieurskunst und Alltagstauglichkeit war. Roller, die nicht provozieren wollten, sondern funktionieren mussten. Leise, solide, beinahe höflich. Sie erzählen von Städten, die wieder in Bewegung kamen, und von Menschen, die plötzlich selbst entscheiden konnten, wie weit ihr Tag sie trägt.

Gleich daneben die Motorräder von KTM und Puch. Keine exotischen Ausreißer, sondern vertraute Begleiter ganzer Generationen. Puch-Motorräder, die mehr waren als Fortbewegungsmittel – sie waren Teil des Familienlebens, Werkzeug und Freiheit zugleich. Robust, ehrlich, gebaut für Straßen, die nicht immer freundlich waren. KTM-Maschinen, sportlicher, ambitionierter, ein wenig vorausdenkend. Man spürt hier bereits den Übergang vom reinen Nutzfahrzeug zum Motorrad als Ausdruck von Persönlichkeit.

Diese Zweiräder stehen nicht als nationale Abzeichen im Raum. Sie stehen einfach da, ganz selbstverständlich. Und genau dadurch erzählen sie ihre Geschichte umso besser: Österreich war nie laut im Automobilbau, aber konsequent. Nicht großspurig, sondern präzise. Und immer nah am echten Leben.

Und dann, fast beiläufig, ein Porsche 912. Nicht abgeschirmt, nicht inszeniert. Einfach da. Als hätte man ihn nach der Sonntagsausfahrt kurz abgestellt. Genau das macht ihn so glaubwürdig. Er ist Teil derselben Erzählung wie die Mopeds und Motorräder daneben – nur ein Kapitel weiter vorne im Traumkatalog.

Was diese Sammlung so besonders macht, ist nicht ein einzelnes Highlight, sondern die Gleichzeitigkeit des Ganzen. Autos, Motorräder und Mopeds stehen nebeneinander, als hätten sie sich verabredet, gemeinsam von einer Zeit zu erzählen, in der Mobilität neu gedacht wurde. Keine Hierarchien, keine Ehrfurcht – nur Zusammenhänge.

Über Jahrzehnte ist diese Sammlung gewachsen. Nicht geplant, nicht strategisch erweitert, sondern organisch. Wer einmal begonnen hat, Dinge vor dem Vergessen zu retten, hört bekanntlich schwer wieder auf. Am Ende waren es über 200 Fahrzeuge – vom Kleinwagen bis zum Motorrad, vom Roller bis zur automobilen Randnotiz. Jedes für sich interessant, gemeinsam aber ein erstaunlich geschlossenes Bild europäischer, und vor allem österreichischer, Mobilitätsgeschichte.

Vor vier Jahren ist Rudolf Pirker gestorben.

Und damit stellte sich eine Frage, die viele Sammlungen irgendwann einholt: Was passiert, wenn der Mensch fehlt, der all das zusammengehalten hat?

Die Antwort fiel hier angenehm unspektakulär aus. Kein Einfrieren, kein Verwalten auf Zeit, kein leises Verstauben. Stattdessen die bewusste Entscheidung, das Museum aufzulösen – und die Fahrzeuge weiterzugeben. Nicht als Verlust, sondern als Übergang. Dorthin, wo sie wieder benutzt, betrachtet, verstanden werden können. In neue Garagen, auf neue Straßen, zu Menschen mit eigenen Vorstellungen von Glück auf Rädern.

Als Director of Auctions bei Classic Trader darf ich diesen letzten Schritt begleiten – auch als Erzähler. Ja, es ist eine Auktion. Aber sie fühlt sich weniger nach Verkauf an als nach Weitergabe. Wie ein großes, leicht unordentliches Familienalbum, das plötzlich viele neue Besitzer findet.

Für Oldtimerfreunde ist das eine seltene Gelegenheit. Nicht, weil hier das nächste große Investment wartet, sondern weil man Teil einer gewachsenen Geschichte werden kann. Einer Geschichte, die von kleinen Autos, österreichischen Motorrädern und großen Träumen erzählt – und davon, dass Museen nicht zwingend stillstehen müssen.

Manche fahren weiter.

Die Auktion wird zum Bieten ab 3.3 Live sein zum online bieten.

https://www.classic-trader.com/de/automobile/auktionen

Und am 14/15.3 kann man ins Museum und sich alles anschauen und vor Ort Online mitbieten.

Fr. den 13 wird es noch Flohmarkt geben für die Kameras, Camcorder Spielzeug und Krimskrams
 


 

Diese Website verwendet Cookies, um ein gutes Surferlebnis zu bieten

Dazu gehören essentielle Cookies, die für den Betrieb der Seite notwendig sind, sowie andere, die nur zu anonymen Statistikzwecken, für Komforteinstellungen oder zur Anzeige personalisierter Inhalte verwendet werden.
Sie können selbst entscheiden, welche Kategorien Sie zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass aufgrund Ihrer Einstellungen möglicherweise nicht alle Funktionen der Website verfügbar sind.

Diese Website verwendet Cookies, um ein gutes Surferlebnis zu bieten

Dazu gehören essentielle Cookies, die für den Betrieb der Seite notwendig sind, sowie andere, die nur zu anonymen Statistikzwecken, für Komforteinstellungen oder zur Anzeige personalisierter Inhalte verwendet werden.
Sie können selbst entscheiden, welche Kategorien Sie zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass aufgrund Ihrer Einstellungen möglicherweise nicht alle Funktionen der Website verfügbar sind.

Ihre Cookies-Einstellungen wurden gespeichert