Ju52 und Super Connie sind nun im „Hangar One“ vereint
Autor: Text: Jürgen Schelling | Photos: Lufthansa, Sandra Romanowicz
Die legendäre Ju52 D-AQUI und die restaurierte Lockheed Super Star sind die Stars des am 15. April eingeweihten Lufthansa Besucherzentrums „Hangar One“ am deutschen Flughafen Frankfurt/Main.
Sie haben einige Gemeinsamkeiten wie etwa den Antrieb durch mehrere Sternmotoren und ein Dreipersonen-Cockpit, aber auch gewaltige Unterschiede: Die Ju52 D-AQUI entstammt der Frühzeit der Verkehrsfliegerei und symbolisiert die erste bis 1946 existierende „Luft Hansa“. Die Lockheed Super Star schon mit Druckkabine als Transatlantikflieger repräsentiert hingegen den Neustart der 1953 nach dem Krieg neu gegründeten und rechtlich von der einstigen Fluglinie völlig unabhängigen „Lufthansa“. Beide Oldtimer sorgen künftig im neuen Besucherzentrum der Lufthansa „Hangar One“ am Flughafen für Begeisterung.

Die Ju52 war dabei wohl das einzige Flugzeug, das in ganz Deutschland selbst von Luftfahrt-Laien an ihrem Motorengeräusch erkannt wurde: Seit 1986 flog die D-AQUI der Deutschen Lufthansa Berlin Stiftung viele zehntausend Rundfluggäste über Deutschland. 2019 dann der Schock für Aviatikfreunde: Lufthansa AG gab bekannt, dass der jährliche finanzielle Zuschuss für die Maschine nicht mehr gegeben wird – das war das Aus für den Flugbetrieb. Die D-AQUI werde künftig aber der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit 2024 ist klar, wo das sein wird: Im neu entstandenen Besucher- und Erlebniszentrum „Hangar One“ der Lufthansa am Flughafen Frankfurt. Das wurde am 15. April mit hunderten Gästen passend zum Jubiläum „100 Jahre Lufthansa“ eingeweiht.

Bereits ab der Mitte der Flugsaison 2015 war die Maschine allerdings für längere Zeit wegen eines Mittelholmbruchs an den Boden gefesselt gewesen. Dieser musste aufwändig repariert werden. 2018 flog der 83 Jahre alte Oldie dann wieder, der bis 2020 mehr als 11.000 Flugstunden für die Lufthansa Berlin Stiftung absolvierte. Geflogen wurde die Maschine stets von hauptberuflichen Piloten der Lufthansa, die aber alle zuvor ein eigenes Type Rating für den Spornrad-Oldie mit Sternmotoren absolvieren mussten. Zudem saß zwischen den beiden Piloten genau wie früher ein Flugingenieur, der für die D-AQUI vorgeschrieben war. Lediglich mit zeitgemäßer Satellitennavigation und einer moderneren Instrumentierung wurde der Oldie aufgewertet. Er hatte auch keine originalen BMW-Motoren mehr, sondern einfacher zu wartende und gebräuchlichere Sternmotoren des US-Herstellers Pratt&Whitney. Dreiblattpropeller machten die Triebwerke etwas leiser, dennoch wurde die „Tante Ju“ überall am charakteristischen Fluggeräusch erkannt.

Allerdings hatte die „D-AQUI“ – gebaut 1936 bei den Junkers Werken in Dessau – auch früher schon bewegte Zeiten und mehrere Wiedergeburten erlebt. Anfangs als Wasserflugzeug auf Schwimmern bei der damaligen Luft Hansa eingesetzt, ging die Ju schon nach zwei Monaten Einsatz nach Norwegen zur dortigen Fluggesellschaft DNL. 1940 dann die Rückkehr zur Luft Hansa, um nach Kriegsende erneut bei der DNL in Skandinavien eingesetzt zu werden. Durch den strapaziösen Einsatz als Frachtflugzeug in der Nordsee wurde es notwendig, den Rumpf der D-AQUI gegen den einer besser erhaltenen Junkers auszutauschen und an diesen dann Flächen und Leitwerksteile des Originals zu montieren.


Bereits 1956 drohte der damals gerade 20 Jahre alten Maschine zum ersten Mal der Zwangs-Ruhestand. Der wurde glücklicherweise abgewendet. Denn ein südamerikanisches Luftfahrtunternehmen hatte Bedarf für ein robustes Frachtflugzeug, die Paradedisziplin einer Ju52. Anstelle der montierten Schwimmer bekam die Ju im ecuadorianischen Quito wieder Räder montiert und flog so im Amazonasgebiet. Ende der 1960er-Jahre wurde die Ju52 in die USA verkauft. Dort flog sie später unter dem Namen „Iron Annie“ in einer imaginären deutschen Luftwaffen-Lackierung auf Airshows. Verantwortliche der Lufthansa holten die Maschine in den 1980er-Jahren zurück nach Deutschland. In der Hamburger Werft der Kranich-Linie folgte anschließend eine Totalüberholung.

Passend zum 50. Geburtstag der D-AQUI und 60 Jahre nach dem ersten Linienflug der alten Luft Hansa war die Maschine 1986 wieder flugtüchtig. Seitdem beförderte sie mehr als 250.000 Passagiere. Allerdings gab die Deutsche Lufthansa AG bereits 2019 bekannt, dass sie ihre früher üblichen finanziellen Subventionen für den Flugbetrieb der D-AQUI einstellen werde. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass diese Entscheidung auch stark von einem Absturz wegen Pilotenfehlern im August 2018 mit 20 Todesopfern einer Ju52 der Schweizer Ju-Air in den Alpen stark beeinflusst wurde.


Die D-AQUI bleibt aber auch in Frankfurt in dem Mitte April mit zahlreichen Festgästen eingeweihten Besucherzentrum „Hangar One“ der Lufthansa weiter im Besitz der Lufthansa Berlin Stiftung. Von mehr als 4800 gebauten Maschinen einschließlich Lizenzbauten ist heute nur noch eine Ju52 des fliegenden Museums von La Ferté Alais in Frankreich tatsächlich flugbereit, dazu eine amerikanische Ju52 in Virginia Beach.

Auch die zweite Maschine im „Hangar One“ ist ein echtes Supermodel der Aviatik. Es wäre sogar eine absolute Sensation gewesen, wenn dieses Flugzeug wieder in die Luft gegangen wäre – und ein gewaltiger Triumph für die Lufthansa. Leider hat die Restaurierung einer Lockheed L-1649A Starliner, größtes Modell der legendären Super-Constellation-Baureihe, zum flugtüchtigen Oldtimer-Flaggschiff der Kranich-Airline aber nicht geklappt.

Künftig können die Ju52 und auch die teilrestaurierte Super Star auf der Basis am Flughafen Frankfurt als Ikonen der Aviatik im Besucherzentrum „Hangar One“ bewundert werden. Der Hangar One soll ab Sommer für die Öffentlichkeit zugänglich sein.


